Dienstag, 11. März 2008
Die Lüge von der immer schönen Kindheit
lilith2, 01:52h
Du hast so große Augen Kind.
Du siehst gewiss oft nachts Gestalten,
die, fremd und bleich, in marmorkalten
Traumhänden rote Kronen halten,
um die ein Leuchten leise rinnt.
Dann ist dein Blick am Tag wie blind
und deine Seele wie zerspalten,
dann bangt dir vor dem Alltagsalten,
wenn Wünsche sich in dir entfalten,
die allen andern Wahnsinn sind.
Dann ist die Sehnsucht dir erwacht,
stolz zu entfliehen den eitlen Schreiern,
die plump, mit Händen, blöde und bleiern,
auf deiner Silberseele leiern
das irre Lied, das sterblich macht;
zu fliehn in eine blaue Nacht,
drin alle Wipfel lauschend feiern;
der Glieder Hymne zu entschleiern
und scheu im Schoß von weißen Weihern
zu finden ihre nackte Pracht.
Rainer Maria Rilke (1875- 1926)
Du siehst gewiss oft nachts Gestalten,
die, fremd und bleich, in marmorkalten
Traumhänden rote Kronen halten,
um die ein Leuchten leise rinnt.
Dann ist dein Blick am Tag wie blind
und deine Seele wie zerspalten,
dann bangt dir vor dem Alltagsalten,
wenn Wünsche sich in dir entfalten,
die allen andern Wahnsinn sind.
Dann ist die Sehnsucht dir erwacht,
stolz zu entfliehen den eitlen Schreiern,
die plump, mit Händen, blöde und bleiern,
auf deiner Silberseele leiern
das irre Lied, das sterblich macht;
zu fliehn in eine blaue Nacht,
drin alle Wipfel lauschend feiern;
der Glieder Hymne zu entschleiern
und scheu im Schoß von weißen Weihern
zu finden ihre nackte Pracht.
Rainer Maria Rilke (1875- 1926)
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Samstag, 2. Februar 2008
Gott oder verderblicher Schmerz?
lilith2, 01:47h
Im höchsten Schmerz tritt zuweilen eine
Paralysis der Empfinsamkeit ein. Die Seele
zersetzt sich. Daher der tödliche Frost, die
freie Denkkraft, der schmetternde
unaufhörliche Witz dieser Art von
Verzweiflung. Keine Neigung ist mehr
vorhanden; der Mensch steht wie eine
verderbliche Macht allein.
Novalis (1772 - 1801)
---------------------------------------------------
Nirgends bist du so allein mit Gott wie tief im Schmerz.
Margarete Seemann
Paralysis der Empfinsamkeit ein. Die Seele
zersetzt sich. Daher der tödliche Frost, die
freie Denkkraft, der schmetternde
unaufhörliche Witz dieser Art von
Verzweiflung. Keine Neigung ist mehr
vorhanden; der Mensch steht wie eine
verderbliche Macht allein.
Novalis (1772 - 1801)
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Nirgends bist du so allein mit Gott wie tief im Schmerz.
Margarete Seemann
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