Samstag, 29. August 2009
Es muß nicht immer Asien sein - die Moselweinstraße
lilith2, 03:46h
Ich habe meinen Wunsch in die Tat umgesetzt, die Moselweinstraße entlang zu fahren. Es hat sich gelohnt und ich hätte die Weinstraße nochmals rauf- und runter fahren können, so schön war es:
Jede Menge Weinberge...

Jede Menge wunderschöner Kirchen...

Traumhafte Ausblicke in schwindelnden Höhen...

Und ich habe jetzt in reifem Alter gemerkt, daß mir Weißwein entschieden besser scheckt als Rotwein. Ich habe anscheinend Jahre veschenkt mit einem Getränk, das mir immer nur mittelmäßig geschmeckt hat.
Die Küche in Rheinland Pfalz ist phantastisch. Selbst der unappetitlich klingende Pfälzer Saumagen (übrigens Helmut Kohls Leibgericht) schmeckt.
Das mit dem Camping klappt erstaunlicherweise noch. Hatte irgendwie Angst, daß das doch mehr eine Übernachtungsart für Jugendliche ist. Allerdings war es kein einziges Mal still. Betrunkene, holländische Altrocker haben bis nachts um 2 gefetet und schon um 6.00 Uhr morgens weitergemacht. Und nächtliches Liebesgestöhn nervt einen irgendwie auch mehr als früher (vielleicht, weil man selbst jetzt weniger und wohl auch leiser stöhnt?).
Wir haben die Burg in Bad Eltz und die Reichsburg in Cochem angesehen. Letztere war so gut restauriert, daß man das Gefühl hatte, die Ritter und Burfräulein könnten jeden Augenblick zur Tür reinkommen. Vor der Burg haben wir dann noch einer Falknerin zugeschaut. Greifvölgel (Raubvögel sagt man wegen Political Correctness nicht mehr) haben etwas Majestätisches.
Und den zweitletzen Abend haben wir in Trier vor der taumhaften Kulisse des Doms zu Abend gegessen. Selten hat mir etwas so gut geschmeckt. Und dazu eine Weinprobe - 6 kleine Gläschen auf einem Holzbrett (kenne ich sonst nur als Alkoholikerbrett mit Doppelkornfüllung).

Ach ja, im Ausland war ich übrigens auch: Luxemburg. Ist allerdings so nichtssagend, daß ich weder etwas Positives noch etwas Negatives sagen könnte.
Jede Menge Weinberge...

Jede Menge wunderschöner Kirchen...

Traumhafte Ausblicke in schwindelnden Höhen...

Und ich habe jetzt in reifem Alter gemerkt, daß mir Weißwein entschieden besser scheckt als Rotwein. Ich habe anscheinend Jahre veschenkt mit einem Getränk, das mir immer nur mittelmäßig geschmeckt hat.
Die Küche in Rheinland Pfalz ist phantastisch. Selbst der unappetitlich klingende Pfälzer Saumagen (übrigens Helmut Kohls Leibgericht) schmeckt.
Das mit dem Camping klappt erstaunlicherweise noch. Hatte irgendwie Angst, daß das doch mehr eine Übernachtungsart für Jugendliche ist. Allerdings war es kein einziges Mal still. Betrunkene, holländische Altrocker haben bis nachts um 2 gefetet und schon um 6.00 Uhr morgens weitergemacht. Und nächtliches Liebesgestöhn nervt einen irgendwie auch mehr als früher (vielleicht, weil man selbst jetzt weniger und wohl auch leiser stöhnt?).
Wir haben die Burg in Bad Eltz und die Reichsburg in Cochem angesehen. Letztere war so gut restauriert, daß man das Gefühl hatte, die Ritter und Burfräulein könnten jeden Augenblick zur Tür reinkommen. Vor der Burg haben wir dann noch einer Falknerin zugeschaut. Greifvölgel (Raubvögel sagt man wegen Political Correctness nicht mehr) haben etwas Majestätisches.
Und den zweitletzen Abend haben wir in Trier vor der taumhaften Kulisse des Doms zu Abend gegessen. Selten hat mir etwas so gut geschmeckt. Und dazu eine Weinprobe - 6 kleine Gläschen auf einem Holzbrett (kenne ich sonst nur als Alkoholikerbrett mit Doppelkornfüllung).

Ach ja, im Ausland war ich übrigens auch: Luxemburg. Ist allerdings so nichtssagend, daß ich weder etwas Positives noch etwas Negatives sagen könnte.
... link (1 Kommentar) ... comment
Mittwoch, 25. März 2009
Meine letzte Woche
lilith2, 14:08h
24.03.09
46
Obwohl die gestrige Rueckfahrt von Vashisht nach MC Loed Ganj auf der gleichen Strecke verlief, gab es noch viel mehr zu sehen, denn diesmal fuhren wir direkt an der Tal- und nicht an der Bergseite. Ich habe noch nie im meinem Leben solch tiefe Schluchten gesehen, ausser auf Fotos von norwegischen Fjorden. Es kommen jeden Tag mehr Touristen und so haben wir auf der Rueckfahrt auch schon den Beginn der Raftingsaison gesehen.
Unser Fahrer Munice hielt immer an, wenn ein Schmetterling vor die Windschutzscheibe flog um ihn nicht zu verletzen! Er erklaerte uns, dass er auf keinen Fall ein Lebewesen verletzen moechte und fuer ihn auch jedes Lebewesen gleichwertig ist. Durch die Gespraeche mit ihm habe ich endlich auch erfahren, was man mit den heiligen Kuehen macht, wenn diese sterben. Endweder "strow ist away" oder aber: Beerdigung! Was man mit Menschen niemals tun wuerde, denn die muessen nach hinduistischen Glauben verbrannt werden.

Sowohl in Vashisht als auch in MC Leod Ganj wird die ganze Zeit gewerkelt und restauriert. Entsprechend riecht es ueberall nach Farbe und ueberall muss man den frisch gegossenen Betonstufen ausweichen. Wenn die Saison dann im April/Mai beginnt, muss es hier hoellisch voll sein. Ueberall wird noch angebaut um mehr Guesthouses und Hotels zu haben.
Munice war uebrigens der erste, der gegenueber den Tibetern auch ein paar kritische Worte hatte. Er sagte, dass es auch etliche Tibeter gibt, die die staatliche Unterstuetzung ausnuetzen wuerden. Als er einmal einen Gast zu einem tibetischen Guesthouse brachte, waren dort 5 total betrunkene Tibeter, die versucht hatten, ihn zu bedrohen. Allerdings betonte Munice, dass es unter den Moenchen keine Betrueger geben wuerde. Aehnlich meinem Kollgen betont Munice, dass es zu einfach ist, alle als Opfer zu sehen. Ich habe vor kurzem auch gelesen, dass die Tibeter das Toeten von Tieren ablehnen. Da sie aber trotzdem Fleich essen moechten, gibt es folglich auch tibetische Schlachter. Allerdings werden die gesellschaftlich sehr verachtet. Das widerspricht natuerlich allen vertretbaren Anschauungen und erinnert mich an die Stellung von Prostituierten: Viele Maenner gehen hin und wollen auch nicht darauf verzichten, aber verweigern trotzdem jede gesellschaftliche Achtung.
Ueber Konsequenz und Gerechtigkeit zu sprechen, ist ein weites Feld. Und immer besteht die Gefahr, dass man etwas idealisiert und verklaert. Anscheinend braucht der Mensch etwas, woran er glauben kann. Mir gefiel eine Stelle in Nikos Kazantsakis "Alexis Sorbas" sehr gut. Auf seine Teilnahme am Krieg gegen die Tuerken angesprochen antwortet er, dass er im Krieg auch getoetet hat. Und nachdenklich spricht er weiter: Frueher habe ich nur danach gefragt, ob jemand ein Tuerke ist oder nicht. Jetzt frage ich nur noch, ob jemand ein guter Mensch ist oder nicht. Und irgendwann werde ich mich auch das nicht mehr fragen und ein Mensch wird ein Mensch sein.
Von dieser Einsicht bin ich noch weit entfernt. Aber auch Sorbas hatte die letzte Stufe der Einsicht und des Verstaendnisses noch nicht erreicht sondern sprach von der Zukunft. Und bis dahin brauche ich noch etwas, woran ich glauben kann. Und da bin ich noch nicht soweit, dass ich keinen Unterschied zwischen dem maechtigen chinesisches Regime und dem kleinen Volk der Tibeter sehe. Aber vielleicht wuerden die sich genauso verhalten, wenn die Machtverhaeltnisse sich verschieben wuerden. So wie in Huxleys "'Animal Farm" am Ende die vorher geschundenen Schweine die anderen Tiere schikanieren.
25.03.09
Habe eben das zweite Mal eine aryurvedische Behandlung erhalten. Zuerst bekommt man eine Kopfmassage, bei der scheitelweise Oel einmassiert wird. Dann wird das Gesicht ebenfalls mit Oel massiert. Danach legt man sich hin und von der Kopfseite her wird warmer Dampf auf den Koerper gestrahlt. Die Augen sind dabei abgedeckt. Dann wird mit der eigentlichen "Oelstrahltherapie" begonnen. Ueber dem Kopf haengt eine Schuessel mit warmen Oel. Unten in der Schuessel ist ein kleines Loch, durch das langsam Oel auf die Stirn fliesst. Die Masseurin schwingt die Schuessel hin und her, wobei der Oelstrahl sich immer von einer zur anderen Seite der Stirn bewegt. Der Topfwird dann langsam mit immer waermerem Oel nachtgefuellt. Am Ende der Behandlung sind die Haare mit Oel vollgesaugt und es wird ein duennes Tuch turbanmaessig um den Kopf geschlungen. Ich sehe damit aus wie eine Muslimin. Allerdings erhalte ich am Ende der Behandlung einen roten Punkt auf die Stirn, so dass der Eindruck nicht stimmig ist und jeder mich fragt "Have you been to the temple?", denn so einen roten Punkt erhalten die Hindus nach Besuch eines Tempels vom Priester.
Das ganze ist eine sehr eigentuemliche Behandlung. Aber auf jeden Fall sehr entspannend.
Gestern habe ich einen Shopping-Tag gemacht. Ich habe mir eine tibetische Tracht gekauft fuer meine Sammlung von asiatischen Trachten. Die Tracht besteht aus einem bodenlangem Kleid ohne Aermel, das hinten zusammengebunden wird. Unter dem Kleid traegt man eine Bluse und ueber dem Kleid eine bunte Schuerze. Da ich unbedingt eine Seidenschuerze und ein Seidenkleid haben wollte, war es etwas teurer und musste lange suchen. Das Ganze hat 1.150,00 Rupien gekostet, umgerechnet etwa 19 Euro.
Wir haben gestern mit einer Gruppe Franzosen zu Abend gegessen. Einer der Franzosen war ein Trekkingfuehrer, der schon zu Fuss von Dharamsaala bis Leh in Ladakh geganngen ist. Er hat ein bisschen von den Trekkingtouren erzaehlt. Fuer die Schlafsaecke und den Proviant gibt es Pferde und nachts wird in einem Zelt geschlafen. Allerdings faellt die Temperatur in Ladakh nachts steil ab, da es schon Wuestenklima ist. Das heisst, dass man nachts bei 0 Grad schlafen muss. Ich frage mich, ob ich das durchhalten wuerde. Allerdings sagen alle, die an einem Trekking teilgenommen haben, dass es ueberwaeltigend ist.
Mein letztes Trekking ist mittlerweile schon 5 Jahre her und war zeitweilig ganz schoen anstrengend. Ich koennte stundenlang auf einer Ebene gehen, aber bergauf- und ab ist enorm kraefteverschleissend. Allerdings ist das Uebernachten an einem Platz, wo vollstaendige Stille herrscht tatsaechlich ueberwaeltigend. Es bleibt mir wohl nichts anderes uebri, als zuhause ein bisschen zu trainieren, damit ich auch fit genug bin.
26.03.09
Heute habe ich ein letztes Mal das Kloster besucht. Ich wollte die Zeit erwischen, in der die Moenche im Klosterhof ihre Diskussionen fuehren. Als ich kam, fand aber nichts statt und ich ging in das kleine tibetische Cafe im Kloster. Nach einer Weile hoerte ich dann heftiges Klatschen und Gemurmel. Also versuchte ich es nochmal. Und diesmal hatte ich Glueck,was ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte, saht ich jetzt mal live: die Moenche waren lebhaft am Diskutieren. Dies darf man sich nicht mit deutschen Temperament vorstellen. Ein Moench sitzt auf dem Boden und der andere steht, bzw. geht vor dem sitzenden Moench hin- und her. Dabei redet er laut und eindringlich. Wenn der Sitzende dann antwortet, kann man die merkwuerdigsten Reaktionen sehen. Meist scheint die Antwort grosse Belustigung hervorzurufen und der stehende Moench lacht kopfschuettelnd. Manchmal scheint die Antwort so abwegig zu sein, dass er aufschreit. Aber auf jedem Fall gibt es an einem bestimmten Punkt immer ein lautets Klatschen, das dadurch entsteht, dass der stehende Moench mit der rechten Hand in hohem Bogen ausholt und sich auf seine linke Handflaeche klatscht.
Obwohl ich natuerlich kein Wort verstanden habe, war es ein sehr fesselnder Anblick, von dem ich mich kaum loesen konnte.
Eine andere Begebenheit war auch mehr als verwunderlich. Vor dem eigentlichen Tempelraum fuehren einige tibetische Glaubige die tibetische Niederwerfung aus. Diese beginnt mit ueber der Brust gefalteten Haenden und nachdem sich der Betende dann auf den Boden gleiten laesst, fuehrt er die Bewegung quasi rueckwaerts wieder aus, indem er sich aufrichtet. Damit das Gleiten die Haende nicht verletzt, gibt es eine Art Handschutz und das ganze findet auf einer mittlerweile schon glattgescheuerten Holzplatte statt.
Diese Prozedur kennen viele aus dem Fernsehen. Aber fuer mich war es mehr als erstaunlich, denn als ich im Tempel ankam, sah ich eine Tibeterin, die mindestens 60 - 70 Jahre alt war, die Niederwerfung praktizieren. Ich sah eine ganze Weile zu und war mehr als erstaunt, wie jemand in diesem Alter so eine Uebung so oft hintereinander ausfuehren kann. Ich ging dann nachdem ich im Cafe gewesen war nochmals an der gleichen Stelle vorbei und konnte meinen Augen kaum glauben: die Frau hatte immer noch nicht aufgehoert! Mich wuerde dies bei einem trainierten Sportler schon verwundern, aber bei einer alten Frau kann man das, was man sieht, kaum glauben. Die Aussage "Glaube versetzt Berge" ist damit wohl eindeutig bewiesen.
monks debating at the tibetan temple, mcleod ganj, india
P.S.: um ehrlich zu sein - bei den Moenchen geht es lustiger zu als bei den Nonnen!
---------------------------------
27.03.09
Heute fuhr uns unser Vermieter Bavinder zum Airport in Gaggal. Zum Abschied schenkt er mir einen tibetischen Schal und Mika tibetischen Käse. Wir hollen auf dem Rueckweg noch die speziell fuer meine Schwester angefertigte Tankha-Rolle ab. Speziell deswegen, weil sie unbedingt eine mit Maha Kallal (Der Beschuetzer vor dem Boesen) will, von dem ich vorher noch nie etwas gehoert habe.
Die Kanadierin Rea hat auch zur gleichen Zeit ihren Abflug und faehrt daher mit uns. Wir kommen erst jetzt ein bisschen ins Gespraech, obwohl wir die ganze Zeit fast Tuer an Tuer gewohnt haben. Sie hat ein 10taegiges Retrait beim Toshiwa-Institut gemacht. Das Retrait fand im Schweigen statt und Meditationen wechselten mit Unterweisungen.
Ich erfahre auch das erste Mal etwas ueber Surat, den Jungen, der im Hause Bavinders arbeitet. Surat ist der Sohn eines Mitarbeiters von Bavinders Bruder und kommt aus einer armen Familie aus dem Sueden. Typisch fuer die unteren Arbeiter in Indien hat er eine sehr dunkle Hautfarbe. Ich haette ihn auf hoechstens 10 - 12 Jahre geschaetzt, aber durch Rea erfahre ich, dass er schon 16 ist. Ich habe immer ein komisches Gefuehl ihm gegenueber gehabt, weil er so schuechtern und untergeben ist, dass er einen gar nicht ansieht. Als ich Schokolade fuer ihn und Bavinders Soehne und die kleine Ansur mitbringe, traut er sich erst, die Schokolade anzunehmen, als die Soehne ihm durch Zunicken zu verstehen geben, dass dies in Ordnung ist.
Ich frage Bavinder, ob ich Surat zum Abschied meine Taschenlampe schenken darf. Bavinder war ueber meine Frage zwar ein bisschen erstaunt, aber hatte nichts dagegen.Es ist eine Dynamotaschenlampe und durch meinen Grossneffen, der mir eine gleiche derartige Lampe abgebettelt hat, weiss ich, dass Jungen anscheinend auf solche Lampen stehen, zumal die Lampe keine Batterien benoetigt, sondern einen Dynamo hat. Da Surat niemals Geld fuer Batterien haette, erscheint mir das ein gutes Geschenk. Ich erklaere Surat ohne Worte, wie die Lampe funktioniert und gebe ihm zu verstehen, dass sie fuer ihn ist. Er runzelt die Stirn und geht sofort zu Bavinder, wohl um zu fragen, ob er die Lampe annehmen darf.
Es ist merkwuerdig, dass Surat ueberhaupt nicht mit Bavinders Soehnen spielt, obwohl die genauso alt wie er wirken (tatsaechlich aber juenger sind). Er kuemmert sich aber ruehrend um die kleine Ansur.
Man ist hin- und hergerissen, wenn man die Situation betrachtet. Einerseits stoesst einen so ein Klassendenken ab und andererseits weiss man, dass Surat es mit seiner Familie gut getroffen hat, denn als Landarbeiter oder im Strassenbau muesste er fuerchterlich schuften und wahrscheinlich in einem Holzverschlag oder einem Plastikzelt schlafen. Aber gerade die Tatsache, dass ein Kontakt zwischen den Kindern voellig undenbar ist, obwohl es unter anderen Umstaenden das Normalste von der Welt waere, macht einem Bauchschmerzen. Klassendenken zwischen Erwachsenen ist schon fuerchterlich, aber unter Kindern ist es noch unertraeglicher. Ich freue mich auf jeden Fall sehr, als er mich ein wenig anlaechelt, als ich ihm zum Abschied die Hand gebe.
28.03.09
Obwohl es nur 12 Stunden bis zum Abflug von Delhi sind, nehmen wir ein Hotel, damit wir uns ein bisschen hinlegen koennen. Das Hotel ist O.K., aber liegt in einer merkwuerdigen Gegend mit Unmengen von Autoreparaturstaetten. Als wir abends ein Restaurant suchen, finden wir nur eins, was in einer Gegend mit Touristen undenkbar waere.
Mir wird der Unterschied zu Deutschland nochmals krass vor Augen gefuehrt. Waehrend bei uns auf der Strasse Menschen nur beim Hin- und Hergehen oder vielleicht in einem Restaurant beobachten kann, bietet eine Strasse in Indien Einblick in alles. Fast jeder Laden und fast jede Werkstatt ist zur Frontseite hin offen. Man sieht infolgedessen den Leuten beim Reparieren zu, beim Handwerken oder beim Verkaufen. Bis auf Sex oder Zaertlichkeit, die strikt von der Strasse verbannt sind, ist alles einsehbar und oeffentlich. Selbst Menschen, die eine Arbeit haben, haben manchmal keinen anderen Platz zum Schlafen als auf der Strasse. Es hat mich in Asien schon immer fassungslos gemacht, wie seelenruhig selbst alte Menschen sich auf dem harten Beton nur mit einer Decke zum Schlafen legen.
Waehrend man also bei uns im Strassenleben auf inszenierte Schaufensterauslagen oder auf vorbeihastende Menschen beschraenkt ist, kann man in Indien das ganze Spektrum des Lebens mitbekommen. Irgendwie erinnert mich das an meine Puppenstube aus meiner Kindheit, bei der auch alles sichtbar war. An Orten wie Varanassi, der aufgrund des heiligen Ganges der von Hindus bevorzugte Ort fuer das Sterben ist, ist infolgedessen auch der Tod eine oeffentliche Angelegenheit.
Ich erfahre von Rea, dass sich waehrend unserer Zeit in Vashisht ein Maedchen aus der Nachbarschaft das Leben genommen hat. Der Grund war offensichtlich der Zwang zu einer arrangierten Ehe. Als wir von Munice zu unserem Guesthouse begleitet wurden, wurde er auf eine in Alufolie gewickelte Kartoffel aufmerksam. Er sagte uns, dass dies eine typische Dekoration fuer den Leichnahm ist, wenn der zu dem Verbrennungsort gebracht wird.
Ein merkwuerdiges Gefuehl. Ganz nah hat sich ein junges Maedchen ihr noch in voller Weite vor ihr liegendes Leben genommen, weil es in Indien immer noch keinen Platz fuer Liebe gibt. Eltern riskieren das Leben ihrer Toechter, weil ihnen diese immer noch weniger bedeuten als Traditionen.

Frauen in Indien - ein weites Feld. Da faellt mir ein, dass ich in meinem Reisefuehrer das Ende des Ramajana-Epos gelesen habe, dass bei den romantischen Vorfuerungen immer weggelassen wurde und mir infolgedessen auch gar nicht bekannt war. Im Ramayan-Epos, das uns von Hindus immer als "The asian version of Romeo and Julliet" dargestellt wird, geht es um die Liebe zwischen Rama und seiner Frau Sita. Als diese von einem boesen Herrscher entfuehrt wird, gelingt es dem tapferen Ehemann, sie wieder zurueckzuholen. Hierbei hilft ihm der ebenfalls tapfere Affengott Hanuman. Rama hat allerdings Zweifel an der Treue von Sita woraufhin sie eine "Feuerprobe" macht, dass heisst, sie geht durch ein Feuer und aufgrund ihrer Treue uebersteht sie dies auch auf wundervolle Weise. Hier endet dann immer die Lovestory, wenn diese irgendwo aufgefuehrt wird.
Die reale Story of Rama und Sita endet aber nicht ganz so harmonisch wie die Bollywoodfilme. Rama ist anscheinend neurotisch eifersuechtig und zweifelt ein zweites Mal an Sitas Untreue. Hieraufhin hat Sita die Nase voll und bittet die Goetter, die Erde zu oeffnen, was auch erhoert wird. In der sich schliessenden Erdspalte verschwindet sie dann auf Nimmerwiedersehen.
Was man davon halten soll - ich weiss es nicht. Auf jeden Fall imponiert das Ende doch auf irgendeine Weise. Immerhin besser, als wenn Sita sich ergeben verbannen lassen wuerde. Sie macht das, was sich eine indische Frau niemals trauen wuerde - sie laesst ihren Mann einfach stehen. Schade nur, dass sie an einen so ungemuetlichen Ort geht und man niemals erfahren wird, ob es ihr dort gut ergeht. Und das ist eben genau der entscheidende Punkt......
46
Obwohl die gestrige Rueckfahrt von Vashisht nach MC Loed Ganj auf der gleichen Strecke verlief, gab es noch viel mehr zu sehen, denn diesmal fuhren wir direkt an der Tal- und nicht an der Bergseite. Ich habe noch nie im meinem Leben solch tiefe Schluchten gesehen, ausser auf Fotos von norwegischen Fjorden. Es kommen jeden Tag mehr Touristen und so haben wir auf der Rueckfahrt auch schon den Beginn der Raftingsaison gesehen.
Unser Fahrer Munice hielt immer an, wenn ein Schmetterling vor die Windschutzscheibe flog um ihn nicht zu verletzen! Er erklaerte uns, dass er auf keinen Fall ein Lebewesen verletzen moechte und fuer ihn auch jedes Lebewesen gleichwertig ist. Durch die Gespraeche mit ihm habe ich endlich auch erfahren, was man mit den heiligen Kuehen macht, wenn diese sterben. Endweder "strow ist away" oder aber: Beerdigung! Was man mit Menschen niemals tun wuerde, denn die muessen nach hinduistischen Glauben verbrannt werden.

Sowohl in Vashisht als auch in MC Leod Ganj wird die ganze Zeit gewerkelt und restauriert. Entsprechend riecht es ueberall nach Farbe und ueberall muss man den frisch gegossenen Betonstufen ausweichen. Wenn die Saison dann im April/Mai beginnt, muss es hier hoellisch voll sein. Ueberall wird noch angebaut um mehr Guesthouses und Hotels zu haben.
Munice war uebrigens der erste, der gegenueber den Tibetern auch ein paar kritische Worte hatte. Er sagte, dass es auch etliche Tibeter gibt, die die staatliche Unterstuetzung ausnuetzen wuerden. Als er einmal einen Gast zu einem tibetischen Guesthouse brachte, waren dort 5 total betrunkene Tibeter, die versucht hatten, ihn zu bedrohen. Allerdings betonte Munice, dass es unter den Moenchen keine Betrueger geben wuerde. Aehnlich meinem Kollgen betont Munice, dass es zu einfach ist, alle als Opfer zu sehen. Ich habe vor kurzem auch gelesen, dass die Tibeter das Toeten von Tieren ablehnen. Da sie aber trotzdem Fleich essen moechten, gibt es folglich auch tibetische Schlachter. Allerdings werden die gesellschaftlich sehr verachtet. Das widerspricht natuerlich allen vertretbaren Anschauungen und erinnert mich an die Stellung von Prostituierten: Viele Maenner gehen hin und wollen auch nicht darauf verzichten, aber verweigern trotzdem jede gesellschaftliche Achtung.
Ueber Konsequenz und Gerechtigkeit zu sprechen, ist ein weites Feld. Und immer besteht die Gefahr, dass man etwas idealisiert und verklaert. Anscheinend braucht der Mensch etwas, woran er glauben kann. Mir gefiel eine Stelle in Nikos Kazantsakis "Alexis Sorbas" sehr gut. Auf seine Teilnahme am Krieg gegen die Tuerken angesprochen antwortet er, dass er im Krieg auch getoetet hat. Und nachdenklich spricht er weiter: Frueher habe ich nur danach gefragt, ob jemand ein Tuerke ist oder nicht. Jetzt frage ich nur noch, ob jemand ein guter Mensch ist oder nicht. Und irgendwann werde ich mich auch das nicht mehr fragen und ein Mensch wird ein Mensch sein.
Von dieser Einsicht bin ich noch weit entfernt. Aber auch Sorbas hatte die letzte Stufe der Einsicht und des Verstaendnisses noch nicht erreicht sondern sprach von der Zukunft. Und bis dahin brauche ich noch etwas, woran ich glauben kann. Und da bin ich noch nicht soweit, dass ich keinen Unterschied zwischen dem maechtigen chinesisches Regime und dem kleinen Volk der Tibeter sehe. Aber vielleicht wuerden die sich genauso verhalten, wenn die Machtverhaeltnisse sich verschieben wuerden. So wie in Huxleys "'Animal Farm" am Ende die vorher geschundenen Schweine die anderen Tiere schikanieren.
25.03.09
Habe eben das zweite Mal eine aryurvedische Behandlung erhalten. Zuerst bekommt man eine Kopfmassage, bei der scheitelweise Oel einmassiert wird. Dann wird das Gesicht ebenfalls mit Oel massiert. Danach legt man sich hin und von der Kopfseite her wird warmer Dampf auf den Koerper gestrahlt. Die Augen sind dabei abgedeckt. Dann wird mit der eigentlichen "Oelstrahltherapie" begonnen. Ueber dem Kopf haengt eine Schuessel mit warmen Oel. Unten in der Schuessel ist ein kleines Loch, durch das langsam Oel auf die Stirn fliesst. Die Masseurin schwingt die Schuessel hin und her, wobei der Oelstrahl sich immer von einer zur anderen Seite der Stirn bewegt. Der Topfwird dann langsam mit immer waermerem Oel nachtgefuellt. Am Ende der Behandlung sind die Haare mit Oel vollgesaugt und es wird ein duennes Tuch turbanmaessig um den Kopf geschlungen. Ich sehe damit aus wie eine Muslimin. Allerdings erhalte ich am Ende der Behandlung einen roten Punkt auf die Stirn, so dass der Eindruck nicht stimmig ist und jeder mich fragt "Have you been to the temple?", denn so einen roten Punkt erhalten die Hindus nach Besuch eines Tempels vom Priester.
Das ganze ist eine sehr eigentuemliche Behandlung. Aber auf jeden Fall sehr entspannend.
Gestern habe ich einen Shopping-Tag gemacht. Ich habe mir eine tibetische Tracht gekauft fuer meine Sammlung von asiatischen Trachten. Die Tracht besteht aus einem bodenlangem Kleid ohne Aermel, das hinten zusammengebunden wird. Unter dem Kleid traegt man eine Bluse und ueber dem Kleid eine bunte Schuerze. Da ich unbedingt eine Seidenschuerze und ein Seidenkleid haben wollte, war es etwas teurer und musste lange suchen. Das Ganze hat 1.150,00 Rupien gekostet, umgerechnet etwa 19 Euro.
Wir haben gestern mit einer Gruppe Franzosen zu Abend gegessen. Einer der Franzosen war ein Trekkingfuehrer, der schon zu Fuss von Dharamsaala bis Leh in Ladakh geganngen ist. Er hat ein bisschen von den Trekkingtouren erzaehlt. Fuer die Schlafsaecke und den Proviant gibt es Pferde und nachts wird in einem Zelt geschlafen. Allerdings faellt die Temperatur in Ladakh nachts steil ab, da es schon Wuestenklima ist. Das heisst, dass man nachts bei 0 Grad schlafen muss. Ich frage mich, ob ich das durchhalten wuerde. Allerdings sagen alle, die an einem Trekking teilgenommen haben, dass es ueberwaeltigend ist.
Mein letztes Trekking ist mittlerweile schon 5 Jahre her und war zeitweilig ganz schoen anstrengend. Ich koennte stundenlang auf einer Ebene gehen, aber bergauf- und ab ist enorm kraefteverschleissend. Allerdings ist das Uebernachten an einem Platz, wo vollstaendige Stille herrscht tatsaechlich ueberwaeltigend. Es bleibt mir wohl nichts anderes uebri, als zuhause ein bisschen zu trainieren, damit ich auch fit genug bin.
26.03.09
Heute habe ich ein letztes Mal das Kloster besucht. Ich wollte die Zeit erwischen, in der die Moenche im Klosterhof ihre Diskussionen fuehren. Als ich kam, fand aber nichts statt und ich ging in das kleine tibetische Cafe im Kloster. Nach einer Weile hoerte ich dann heftiges Klatschen und Gemurmel. Also versuchte ich es nochmal. Und diesmal hatte ich Glueck,was ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte, saht ich jetzt mal live: die Moenche waren lebhaft am Diskutieren. Dies darf man sich nicht mit deutschen Temperament vorstellen. Ein Moench sitzt auf dem Boden und der andere steht, bzw. geht vor dem sitzenden Moench hin- und her. Dabei redet er laut und eindringlich. Wenn der Sitzende dann antwortet, kann man die merkwuerdigsten Reaktionen sehen. Meist scheint die Antwort grosse Belustigung hervorzurufen und der stehende Moench lacht kopfschuettelnd. Manchmal scheint die Antwort so abwegig zu sein, dass er aufschreit. Aber auf jedem Fall gibt es an einem bestimmten Punkt immer ein lautets Klatschen, das dadurch entsteht, dass der stehende Moench mit der rechten Hand in hohem Bogen ausholt und sich auf seine linke Handflaeche klatscht.
Obwohl ich natuerlich kein Wort verstanden habe, war es ein sehr fesselnder Anblick, von dem ich mich kaum loesen konnte.
Eine andere Begebenheit war auch mehr als verwunderlich. Vor dem eigentlichen Tempelraum fuehren einige tibetische Glaubige die tibetische Niederwerfung aus. Diese beginnt mit ueber der Brust gefalteten Haenden und nachdem sich der Betende dann auf den Boden gleiten laesst, fuehrt er die Bewegung quasi rueckwaerts wieder aus, indem er sich aufrichtet. Damit das Gleiten die Haende nicht verletzt, gibt es eine Art Handschutz und das ganze findet auf einer mittlerweile schon glattgescheuerten Holzplatte statt.
Diese Prozedur kennen viele aus dem Fernsehen. Aber fuer mich war es mehr als erstaunlich, denn als ich im Tempel ankam, sah ich eine Tibeterin, die mindestens 60 - 70 Jahre alt war, die Niederwerfung praktizieren. Ich sah eine ganze Weile zu und war mehr als erstaunt, wie jemand in diesem Alter so eine Uebung so oft hintereinander ausfuehren kann. Ich ging dann nachdem ich im Cafe gewesen war nochmals an der gleichen Stelle vorbei und konnte meinen Augen kaum glauben: die Frau hatte immer noch nicht aufgehoert! Mich wuerde dies bei einem trainierten Sportler schon verwundern, aber bei einer alten Frau kann man das, was man sieht, kaum glauben. Die Aussage "Glaube versetzt Berge" ist damit wohl eindeutig bewiesen.
monks debating at the tibetan temple, mcleod ganj, india
P.S.: um ehrlich zu sein - bei den Moenchen geht es lustiger zu als bei den Nonnen!
---------------------------------
27.03.09
Heute fuhr uns unser Vermieter Bavinder zum Airport in Gaggal. Zum Abschied schenkt er mir einen tibetischen Schal und Mika tibetischen Käse. Wir hollen auf dem Rueckweg noch die speziell fuer meine Schwester angefertigte Tankha-Rolle ab. Speziell deswegen, weil sie unbedingt eine mit Maha Kallal (Der Beschuetzer vor dem Boesen) will, von dem ich vorher noch nie etwas gehoert habe.
Die Kanadierin Rea hat auch zur gleichen Zeit ihren Abflug und faehrt daher mit uns. Wir kommen erst jetzt ein bisschen ins Gespraech, obwohl wir die ganze Zeit fast Tuer an Tuer gewohnt haben. Sie hat ein 10taegiges Retrait beim Toshiwa-Institut gemacht. Das Retrait fand im Schweigen statt und Meditationen wechselten mit Unterweisungen.
Ich erfahre auch das erste Mal etwas ueber Surat, den Jungen, der im Hause Bavinders arbeitet. Surat ist der Sohn eines Mitarbeiters von Bavinders Bruder und kommt aus einer armen Familie aus dem Sueden. Typisch fuer die unteren Arbeiter in Indien hat er eine sehr dunkle Hautfarbe. Ich haette ihn auf hoechstens 10 - 12 Jahre geschaetzt, aber durch Rea erfahre ich, dass er schon 16 ist. Ich habe immer ein komisches Gefuehl ihm gegenueber gehabt, weil er so schuechtern und untergeben ist, dass er einen gar nicht ansieht. Als ich Schokolade fuer ihn und Bavinders Soehne und die kleine Ansur mitbringe, traut er sich erst, die Schokolade anzunehmen, als die Soehne ihm durch Zunicken zu verstehen geben, dass dies in Ordnung ist.
Ich frage Bavinder, ob ich Surat zum Abschied meine Taschenlampe schenken darf. Bavinder war ueber meine Frage zwar ein bisschen erstaunt, aber hatte nichts dagegen.Es ist eine Dynamotaschenlampe und durch meinen Grossneffen, der mir eine gleiche derartige Lampe abgebettelt hat, weiss ich, dass Jungen anscheinend auf solche Lampen stehen, zumal die Lampe keine Batterien benoetigt, sondern einen Dynamo hat. Da Surat niemals Geld fuer Batterien haette, erscheint mir das ein gutes Geschenk. Ich erklaere Surat ohne Worte, wie die Lampe funktioniert und gebe ihm zu verstehen, dass sie fuer ihn ist. Er runzelt die Stirn und geht sofort zu Bavinder, wohl um zu fragen, ob er die Lampe annehmen darf.
Es ist merkwuerdig, dass Surat ueberhaupt nicht mit Bavinders Soehnen spielt, obwohl die genauso alt wie er wirken (tatsaechlich aber juenger sind). Er kuemmert sich aber ruehrend um die kleine Ansur.
Man ist hin- und hergerissen, wenn man die Situation betrachtet. Einerseits stoesst einen so ein Klassendenken ab und andererseits weiss man, dass Surat es mit seiner Familie gut getroffen hat, denn als Landarbeiter oder im Strassenbau muesste er fuerchterlich schuften und wahrscheinlich in einem Holzverschlag oder einem Plastikzelt schlafen. Aber gerade die Tatsache, dass ein Kontakt zwischen den Kindern voellig undenbar ist, obwohl es unter anderen Umstaenden das Normalste von der Welt waere, macht einem Bauchschmerzen. Klassendenken zwischen Erwachsenen ist schon fuerchterlich, aber unter Kindern ist es noch unertraeglicher. Ich freue mich auf jeden Fall sehr, als er mich ein wenig anlaechelt, als ich ihm zum Abschied die Hand gebe.
28.03.09
Obwohl es nur 12 Stunden bis zum Abflug von Delhi sind, nehmen wir ein Hotel, damit wir uns ein bisschen hinlegen koennen. Das Hotel ist O.K., aber liegt in einer merkwuerdigen Gegend mit Unmengen von Autoreparaturstaetten. Als wir abends ein Restaurant suchen, finden wir nur eins, was in einer Gegend mit Touristen undenkbar waere.
Mir wird der Unterschied zu Deutschland nochmals krass vor Augen gefuehrt. Waehrend bei uns auf der Strasse Menschen nur beim Hin- und Hergehen oder vielleicht in einem Restaurant beobachten kann, bietet eine Strasse in Indien Einblick in alles. Fast jeder Laden und fast jede Werkstatt ist zur Frontseite hin offen. Man sieht infolgedessen den Leuten beim Reparieren zu, beim Handwerken oder beim Verkaufen. Bis auf Sex oder Zaertlichkeit, die strikt von der Strasse verbannt sind, ist alles einsehbar und oeffentlich. Selbst Menschen, die eine Arbeit haben, haben manchmal keinen anderen Platz zum Schlafen als auf der Strasse. Es hat mich in Asien schon immer fassungslos gemacht, wie seelenruhig selbst alte Menschen sich auf dem harten Beton nur mit einer Decke zum Schlafen legen.
Waehrend man also bei uns im Strassenleben auf inszenierte Schaufensterauslagen oder auf vorbeihastende Menschen beschraenkt ist, kann man in Indien das ganze Spektrum des Lebens mitbekommen. Irgendwie erinnert mich das an meine Puppenstube aus meiner Kindheit, bei der auch alles sichtbar war. An Orten wie Varanassi, der aufgrund des heiligen Ganges der von Hindus bevorzugte Ort fuer das Sterben ist, ist infolgedessen auch der Tod eine oeffentliche Angelegenheit.
Ich erfahre von Rea, dass sich waehrend unserer Zeit in Vashisht ein Maedchen aus der Nachbarschaft das Leben genommen hat. Der Grund war offensichtlich der Zwang zu einer arrangierten Ehe. Als wir von Munice zu unserem Guesthouse begleitet wurden, wurde er auf eine in Alufolie gewickelte Kartoffel aufmerksam. Er sagte uns, dass dies eine typische Dekoration fuer den Leichnahm ist, wenn der zu dem Verbrennungsort gebracht wird.
Ein merkwuerdiges Gefuehl. Ganz nah hat sich ein junges Maedchen ihr noch in voller Weite vor ihr liegendes Leben genommen, weil es in Indien immer noch keinen Platz fuer Liebe gibt. Eltern riskieren das Leben ihrer Toechter, weil ihnen diese immer noch weniger bedeuten als Traditionen.

Frauen in Indien - ein weites Feld. Da faellt mir ein, dass ich in meinem Reisefuehrer das Ende des Ramajana-Epos gelesen habe, dass bei den romantischen Vorfuerungen immer weggelassen wurde und mir infolgedessen auch gar nicht bekannt war. Im Ramayan-Epos, das uns von Hindus immer als "The asian version of Romeo and Julliet" dargestellt wird, geht es um die Liebe zwischen Rama und seiner Frau Sita. Als diese von einem boesen Herrscher entfuehrt wird, gelingt es dem tapferen Ehemann, sie wieder zurueckzuholen. Hierbei hilft ihm der ebenfalls tapfere Affengott Hanuman. Rama hat allerdings Zweifel an der Treue von Sita woraufhin sie eine "Feuerprobe" macht, dass heisst, sie geht durch ein Feuer und aufgrund ihrer Treue uebersteht sie dies auch auf wundervolle Weise. Hier endet dann immer die Lovestory, wenn diese irgendwo aufgefuehrt wird.
Die reale Story of Rama und Sita endet aber nicht ganz so harmonisch wie die Bollywoodfilme. Rama ist anscheinend neurotisch eifersuechtig und zweifelt ein zweites Mal an Sitas Untreue. Hieraufhin hat Sita die Nase voll und bittet die Goetter, die Erde zu oeffnen, was auch erhoert wird. In der sich schliessenden Erdspalte verschwindet sie dann auf Nimmerwiedersehen.
Was man davon halten soll - ich weiss es nicht. Auf jeden Fall imponiert das Ende doch auf irgendeine Weise. Immerhin besser, als wenn Sita sich ergeben verbannen lassen wuerde. Sie macht das, was sich eine indische Frau niemals trauen wuerde - sie laesst ihren Mann einfach stehen. Schade nur, dass sie an einen so ungemuetlichen Ort geht und man niemals erfahren wird, ob es ihr dort gut ergeht. Und das ist eben genau der entscheidende Punkt......
... link (1 Kommentar) ... comment
Dienstag, 17. März 2009
Weiter geht's und Hoppla
lilith2, 18:31h
17.03.09 Vashisht
Nach 8 Stunden Fahrt bin ich heute in Manali angekommen. Eigentlich nicht direkt in Manali, sondern in Vashisht. Hier ist es noch kaelter als in MC Leod Ganj. Wir haben jetzt mal ein richtiges Hotel. Der eigentliche Unterschied zu unserem vorherigen Guesthouse ist, dass wir mal ein eigenes Klo haben und man das Klopapier ins Klo werfen darf - wie wir Europaeer es ja gewohnt sind - und nicht in einen Eimer.
Direkt unter dem Hotel befindet sich eine heisse Quelle mit einem kleinen Swimmingpool. Allerdings baden dort nur Maenner. Und da es sich um eine Sulfatquelle handelt, stinkt es auch ein wenig nach faulen Eiern.
Von Hotel aus koennen wir das ganze Kullu-Tal ueberblicken und jetzt koennen wir auch die schneebedeckten Gipfel sehen.
Ein grosser Teil der Strecke bestand aus Haarnadelkurven und fuehrte immer direkt am Abrund vorbei. Der Fluss fuehrt nur stellenweise Wasser, dann leuchtet er dunkelgruen. Die Vegetation ist aeusserst merkwuerdig; es gibt Zedern und Kiefern wie bei uns und gleichzeitig wachsten dazwischen Palmen. Ein sehr ungewohnter Anblick.
Munis, unser Fahrer, machte uns auf eine bemerkenswerte Form der Flussueberquerung aufmerksam. Von unserer Seite aus lief eine Art Seilbahn zu der gegenueberliegenden Seite. Das kennt man schon aus Bayern und Oesterreich. Das Ungewoehnliche war allerdings, dass die Stahlseile duenn waren, dass man sie fast gar nicht sah, sondern nur den Sitz (nicht mehrere sondern maximal zwei) sehen konnte. Da die Seile so duenn waren, konnte man sie auch nur die ersten Meter sehen. Ausserdem wuerde man auch keine Seilbahn vermuten, weil auf der gegenueberliegenden Seite ueberhaupt nichts war, weswegen sich ein Ueberqueren lohnen wuerde. Man hatte folglich den Eindruck, dass es sich bei der in schwindelnder Hoehe befindlichen Seilbahn um einen Weg ins Nirwana handelte. So ein Anblick hat einen heilbaren Effekt: man merkt, dass man doch am Leben haengt, denn wenn mich nicht gerade ein Baer oder Tiger verfolgen wuerde, wuerde mich nichts in der Welt dazu bringen, diese Bahn ins Nirwana zu besteigen.
Hier in Vashisht scheint eher die Bergsteiger- und Treckingszene vertreten zu sein als die spirituelle. Ein Trecking werde ich wohl auch noch machen, aber nur ein ganz kleines....
Was das Spirituelle angeht, habe ich heute den ziemlich jaeh auftauchenden Geistesblitz gehabt, mit allem in meinem Leben reinen Tisch zu machen. Einfach alles sagen, was gesagt werden muss. Wenn dabei Koepfe rollen, dann rollen eben Koepfe. Menschen, die keine Ruecksicht auf andere nehmen, haben das Recht auf ihren Kopf verwirkt. Menschen, die andere ausnutzen, betruegen oder im Stich lassen ebenfalls.
Wenn ich danach bei allen unter durch bin, wen stoert's eigentlich? Mich immer weniger. Wie singt Brechts Seeraeuberjenny doch so schoen: "Und wenn dann der Kopf faellt, sag ich Hoppla!"
Hoppla, war das eben ein Kopf? Da ich noch denke, kann es meiner nicht gewesen sein. Und was scheren mich schliesslich Koepfe von Menschen, die denselben nur fuer Schlechtes nutzen?
Vashisht Hot Springs, Manali
18.03.09
Als ich heute morgen aufwachte: das erste, was ich sah, als ich die Augen oeffnete waren die schneebedeckten Gipfel des Himalaya. Etwas Gigantischeres kann man sich nicht vorstellen.
Mein Fruehstueck habe ich in einem Dachcafe zu mir genommen. Nach oben ein Blick auf den Himalaya nach unten ein Blick auf einen Hindutempel, der ueber heisse Quellen verfuegt. In den Bassins baden die Glaebigen. Ausserdem kann man ganz indiskret in die Hinterhoefe der schiefergedeckten Holzhaeser gucken, wo die Frauen Essen zubereiten oder Waesche waschen. Mein Fruehstueck war so gut, dass ich es gleich noch einmal bestellt habe. Nutella-Pancake und Zimttee!
19.03.09
So weit weg von zuhause bekommt man Abstand zu seinen Alltagsproblemen. Denke darueber nach, warum ich ich schon seit einigen Jahren eine Mordswut mit mir rumschleppe. Wenn man eine Last schleppt, dann muss man die abwerfen, andere Loesungen gibt es nicht.
Warum schleppt man ewige Zeiten etwas mit sich herum, was man eigentlich abwerfen sollte? Zuerst aus Ruecksicht auf die anderen. Spaeter aus Angst. Ich bin bei weitem nicht unfehlbar und auch bei mir gibt es Dinge, in die man reinschlagen kann und ich weiss nicht, ob ich dem gewachsen waere. Aber wuerde es dann wirklich schlimmer als jetzt sein?
Muss man es wirklich ertragen, wenn eine Kollegin Auslaender als Bimbos und Kanaken bezeichnet und sich auf die gleiche prollige Art ueber mein Leben aeussert? Muss ich es wirklich Kollegen stillschweigend hinnehmen, die ihre Rechnungen bis zum Bersten getuerkt haben? Muss ich es tatsaechlich schlucken, wenn jemand sich als Big Boss aufspielt und sowohl Klienten als auch Kollegen wie Immobilien behandelt? Muss ich mir zu allem Uebel auch noch ins Gesicht luegen lassen, wenn ich die Dinge offen anspreche?
Die Antwort lautet: Nein! Nein und nochmals Nein! Man hat nicht erst dann das Recht, sich zu wehren, wenn man selbst unfehlbar ist. Es kann nicht schlimmer kommen als bisher.
Und ich moechte sie loswerden, diese masslose Wut. Und immer mehr spuere ich, dass dies nicht durch Runterschlucken geht.
Es gibt fuer mich nichts zu verlieren. Aber leider fuer jemand anderen, dem ich sehr wehtun muesste. Ich glaube, ich kann dies aber nicht laenger vermeiden, wenn ich wieder normal atmen will. Kafka hat mal gesagt, man kann nicht leben, ohne schuldig zu werden. Das ist bittere Wahrheit. Aber immerhin Wahrheit. Auf Wahrheit laesst sich aufbauen. Auf Luegen nicht.
Das ist das, was der Himalaya mir zu sagen hat. Es gibt im Hinduismus eine Goettin namens Kali oder auch Durga. Sie wird angebetet, obwohl sie auch die Goettin der Zerstoerung ist. Anscheinend ist man im Hinduismus der Meinung, das Zerstoerung etwas Goettliches ist. So wie die Trinitaet aus Brahma, Wishnu und Shiwa eine Trinitaeit aus Erschaffung, Erhaltung und Zerstoerung ist.
Zerstoerung ist in dem Moment nicht destruktiv, wo etwas zerstoert wird, das selbst zerstoererisch ist. Jede Konstruktivitaet muss auch in gewissen Masse destruktiv sein, damit etwas aufgebaut werden kann.
Hier in Vashisht gibt es sowohl viele alte als auch sehr junge Hippies. Und ein alter Hippiespruch lautet: Wir haben nichts zu verlieren ausser unseren Fesseln. Ja, das sagt mir der Himalaya. Und irgendwie geht's mir auch gleich schon besser.
Der Kampf mit der Technik
Wir versuchen schon seit einiger Zeit, einige Fotos zu mailen - aber irgendwie klappt es doch nicht. So verbring man doch mehr Zeit am PC als in den Bergen...
20.03.09
Jetzt hat es mich doch ein wenig erwischt, die Hoehenrkrankheit. Mir ist ein wenig flau und ich komme sehr schnell ausser Atem und mein Auge flattert staendig so wie die Gebetsfahnen hier. Trotzdem wollen wir uns heute ein Tuc-Tuc mieten.
Gestern sind wir ein wenig am Fluss laengsspaziert. Das Flussbett fuehrt noch kaum Wasser und in erster Linie besteht es daher aus Steinen und - Muell. Anscheinend schmeisst jeder seinen Muell in die Naehe des Flusses, anscheinend in der Hoffnung, dass das steigende Wasser ihn irgendwann schon wegtransportiert.
Auf dem Weg zum Fluss kamen wir auch an einem Slum vorbei. Huetten aus Holz oder einfach aus Platikplanen ueber Bambus, die bunt gewuerfelt aneinandergereit sind. Dazwischen Menschen, die herumwerkeln, Wasser schleppen oder Essen kochen. Und natuerlich Kinder, jede Menge. Bevor man sich jedoch von der obligatorischen Welle des Mitleids hinwegschwemmen laesst, sollte man sich die Zeit nehmen, die Gesichter zu beobachten. Soviel Muehe ich mir auch gebe; die Kinder sehen quietschvergnuegt aus. Ziemlich schmutzig, aber springlebendig und quietschvergnuegt.
Ich selbst habe einen Teil meiner fruehen Kindheit in einem sogenannten "Behelfsheim" bei meiner Oma verlebt. Das waren die Huetten, die man provisorisch fuer die Ostfluechtlinge gebaut hat. Kein Bad, kein Warmwasser, keine Heizung und kein eigenes Zimmer. Und fuer mich die gluecklichste Zeit meiner Kindheit.
Mein Opa hatte fuer mich eine Schaukel gebaut, eine Schaukel fuer mich allen. Und jede Menge Obst im Garten, den damals hat man Obst und Gemuese noch nicht gekauft sondern selbst angebaut. Baden fand ich sowieso nicht so toll. Das fiel mir hier komischerweise wieder ein, als ich im Tempel einen Vater sah, der seinen kleinen Sohn einseifte, der dabei herzergreifend schrie. Allein schlafen fand ich uebrigens - wie alle Kinder dieser Erde - auch nicht toll und so war es kein grosser Verlust, kein eigenes Zimmer zu haben.
Um keinen Irrtum aufkommen zu lassen: man muesste hier eine Menge fuer die Menschen in den Slums tun. Aber Badezimmer und Spielzeugberge sind dabei nicht unbedingt das Wichtigste.
Soviel zum Thema Armut.
21.03.09
Gestern sind wir mit dem Tuc-Tuc nach Manali gefahren. Manali hat eine grosse Strasse - the Mall - die fuer Autos gesperrt ist. Sehr angenehm also da in Indien kein Unterschied zwischen Fahrbahn und Gehstein gemacht wird und man somit normalerweise staendig zur Seite springen muss.
Obwohl ich eigentlich nicht unbedingt uebergewichtig bin, hatte ich das Gefuehl, dass das Tuc-Tuc mit uns beiden beim Berganfahren fast nach hinten ueberkippte. Aber irgendwie haben wir es dann doch geschafft, den Berg hinauf nach Vashisht zu kommen.
Hier neben den zierlichen Inderinnen fuehle ich mich enorm klobig und unsportlich. Waehrend ich den Berg hochaechse, huepft neben mir ein altes Muetterlein in Flip-Flops vorbei und lacht mich an. Nicht sehr aufbauend.
Ich spuere ueberhaupt hier in den Bergen die Grenzen meiner koerperlichen Belastbarkeit. Nicht das ich frueher sportlicher war - im Gegenteil, ich habe frueher Kette geraucht und mir Sport-ist-Mord auf die Fahnen geschrieben. Jetzt rauche ich schon seit fast 10 Jahren nicht mehr und jogge mindestens ein-bis zweimal die Woche. Trotzdem reicht das hier nicht. Ich wuerde so gerne weiter hoch in die Berge. Eigentlich kann es mir gar nicht hoch und einsam genug sein. Aber das kann ich mir abschminken. Es sei denn, ich beginne zuhause ein Sportprogramm. Immerhin habe ich mich ja schon zum Yoga angemeldet und hoffe, dass dies mit meinen Arbeitszeiten vereinbar ist.
Mache mir ueberhaupt viel Gedanken ueber so Einiges in Sachen Gesundheit in Ost und West. Bei uns in Deutschland ist es gang und gebe, dass alte Menschen irgendwann alle moeglichen Hilfsmittel erhalten, weil sie sich nicht mehr tief hinsetzen koennen. Erhoehte Clositze, Sessel mit Liftingsystem und hoehenverstellbare Betten. Hier sieht man auch die alleraeltesten Frauen bei der Gartenarbeit auf dem Boden. Nahezu auch alle anderen Taetigkeiten werden hockend verrichtet: Kochen, Waesche waschen, Spinnen und auch Tratschen.
Meine Oma habe ich Zeit meines Lebens nie knieend gesehen und auch bei meinen ganzen aelteren Klienten waere dies undenkbar. Ich hoere jetzt schon wieder meine kritische Nichte sagen: Du kannst nicht immer alles vergleichen!" Doch, kann ich!! Es gibt nichts Wichtigeres als Vergleiche, wenn man Ursachen erforschen will. Ich vermute, dass wir im Westen einfach ganz natuerliche Koerperhaltungen und Bewegungen straeflich vernachlassigen. Alte Menschen, die Yoga praktizieren, koennen durchaus mit den Asiaten mithalten.
Ehe ich es vergesse: Heute morgen gab es wieder grosses Staunen: ueber nacht hatte es geschneit und fast der ganze Himalya ist schneeweiss!
22.03.09
Heute haben wir das Dorf Naggat besucht und dort haben wir uns die "Roehricht Art-Gallerie" angesehen. Natuerlich auch wieder ganz oben auf einem Berg. Habe vorher nie etwas von einem Svetislaw Roehricht gehoert. Aber hat mich irgendwie an Walter Speer, den deutschen Maler auf Bali in den 50er Jahren erinnert. Irgendwie ist es erstaunlich - Auslaender koennen manchmal fuer andere Auslaender die Liebe zu einem bestimmten Land noch besser ausdruecken als die Einheimischen. Das Besondere an diesem Roehricht ist aber nicht nur die offensichtliche Liebe zu der indischen Himalayaregion, sondern sein grosses Interesse an uebergreifender Spiritualitaet.
Habe erst jetzt durch das Lesen meines Reisefuehrers von einer Gruppe des Hinduismus erfahren, die alle Religionen als gleichwertig erachtet und sich auf die Gemeinsamkeiten konzentriert.
Wieder in Vashisht angekommen, haben wir noch eingekauft. Schade, dass ich keine Videokamera habe, das von Gefuehlen ueberschaeumende Handeln war wirklich filmreif. Der Haendler ging natuerlich wie gewohnt mit dem Preis runter, aber auf jedes Unterbieten reagierte er mit herzzerreissender Mimik und Gestik. "You will nowhere find this cheaper than in my shop! If yes - I will pay you 5.000,00 $. I give you my card with telephone number - you can believe me". Nachdem der Kauf dann besiegelt war: "This day no buisiness for me - only lucky for you, you koll me!". Allerdings bestand beim Handeln absolute Ebenbuertigkeit, was Uebertreibungen angeht. Mein Freud erzaehlte von Kindern (welche?), die er versorgen muss und wegen denen er solche horrenden Ausgaben nicht machen koenne. Wie dem auch sei - am Ende waren offensichlich alle zufrieden.
In dem Zusammenhang muss ich sagen, dass es hier ein absolutes Einkaufparadies ist. Schade, dass es die Gewichtsbegrenzung beim Einchecken gibt......
Nach 8 Stunden Fahrt bin ich heute in Manali angekommen. Eigentlich nicht direkt in Manali, sondern in Vashisht. Hier ist es noch kaelter als in MC Leod Ganj. Wir haben jetzt mal ein richtiges Hotel. Der eigentliche Unterschied zu unserem vorherigen Guesthouse ist, dass wir mal ein eigenes Klo haben und man das Klopapier ins Klo werfen darf - wie wir Europaeer es ja gewohnt sind - und nicht in einen Eimer.
Direkt unter dem Hotel befindet sich eine heisse Quelle mit einem kleinen Swimmingpool. Allerdings baden dort nur Maenner. Und da es sich um eine Sulfatquelle handelt, stinkt es auch ein wenig nach faulen Eiern.

Von Hotel aus koennen wir das ganze Kullu-Tal ueberblicken und jetzt koennen wir auch die schneebedeckten Gipfel sehen.
Ein grosser Teil der Strecke bestand aus Haarnadelkurven und fuehrte immer direkt am Abrund vorbei. Der Fluss fuehrt nur stellenweise Wasser, dann leuchtet er dunkelgruen. Die Vegetation ist aeusserst merkwuerdig; es gibt Zedern und Kiefern wie bei uns und gleichzeitig wachsten dazwischen Palmen. Ein sehr ungewohnter Anblick.
Munis, unser Fahrer, machte uns auf eine bemerkenswerte Form der Flussueberquerung aufmerksam. Von unserer Seite aus lief eine Art Seilbahn zu der gegenueberliegenden Seite. Das kennt man schon aus Bayern und Oesterreich. Das Ungewoehnliche war allerdings, dass die Stahlseile duenn waren, dass man sie fast gar nicht sah, sondern nur den Sitz (nicht mehrere sondern maximal zwei) sehen konnte. Da die Seile so duenn waren, konnte man sie auch nur die ersten Meter sehen. Ausserdem wuerde man auch keine Seilbahn vermuten, weil auf der gegenueberliegenden Seite ueberhaupt nichts war, weswegen sich ein Ueberqueren lohnen wuerde. Man hatte folglich den Eindruck, dass es sich bei der in schwindelnder Hoehe befindlichen Seilbahn um einen Weg ins Nirwana handelte. So ein Anblick hat einen heilbaren Effekt: man merkt, dass man doch am Leben haengt, denn wenn mich nicht gerade ein Baer oder Tiger verfolgen wuerde, wuerde mich nichts in der Welt dazu bringen, diese Bahn ins Nirwana zu besteigen.
Hier in Vashisht scheint eher die Bergsteiger- und Treckingszene vertreten zu sein als die spirituelle. Ein Trecking werde ich wohl auch noch machen, aber nur ein ganz kleines....
Was das Spirituelle angeht, habe ich heute den ziemlich jaeh auftauchenden Geistesblitz gehabt, mit allem in meinem Leben reinen Tisch zu machen. Einfach alles sagen, was gesagt werden muss. Wenn dabei Koepfe rollen, dann rollen eben Koepfe. Menschen, die keine Ruecksicht auf andere nehmen, haben das Recht auf ihren Kopf verwirkt. Menschen, die andere ausnutzen, betruegen oder im Stich lassen ebenfalls.
Wenn ich danach bei allen unter durch bin, wen stoert's eigentlich? Mich immer weniger. Wie singt Brechts Seeraeuberjenny doch so schoen: "Und wenn dann der Kopf faellt, sag ich Hoppla!"
Hoppla, war das eben ein Kopf? Da ich noch denke, kann es meiner nicht gewesen sein. Und was scheren mich schliesslich Koepfe von Menschen, die denselben nur fuer Schlechtes nutzen?
Vashisht Hot Springs, Manali
18.03.09
Als ich heute morgen aufwachte: das erste, was ich sah, als ich die Augen oeffnete waren die schneebedeckten Gipfel des Himalaya. Etwas Gigantischeres kann man sich nicht vorstellen.

Mein Fruehstueck habe ich in einem Dachcafe zu mir genommen. Nach oben ein Blick auf den Himalaya nach unten ein Blick auf einen Hindutempel, der ueber heisse Quellen verfuegt. In den Bassins baden die Glaebigen. Ausserdem kann man ganz indiskret in die Hinterhoefe der schiefergedeckten Holzhaeser gucken, wo die Frauen Essen zubereiten oder Waesche waschen. Mein Fruehstueck war so gut, dass ich es gleich noch einmal bestellt habe. Nutella-Pancake und Zimttee!
19.03.09
So weit weg von zuhause bekommt man Abstand zu seinen Alltagsproblemen. Denke darueber nach, warum ich ich schon seit einigen Jahren eine Mordswut mit mir rumschleppe. Wenn man eine Last schleppt, dann muss man die abwerfen, andere Loesungen gibt es nicht.
Warum schleppt man ewige Zeiten etwas mit sich herum, was man eigentlich abwerfen sollte? Zuerst aus Ruecksicht auf die anderen. Spaeter aus Angst. Ich bin bei weitem nicht unfehlbar und auch bei mir gibt es Dinge, in die man reinschlagen kann und ich weiss nicht, ob ich dem gewachsen waere. Aber wuerde es dann wirklich schlimmer als jetzt sein?
Muss man es wirklich ertragen, wenn eine Kollegin Auslaender als Bimbos und Kanaken bezeichnet und sich auf die gleiche prollige Art ueber mein Leben aeussert? Muss ich es wirklich Kollegen stillschweigend hinnehmen, die ihre Rechnungen bis zum Bersten getuerkt haben? Muss ich es tatsaechlich schlucken, wenn jemand sich als Big Boss aufspielt und sowohl Klienten als auch Kollegen wie Immobilien behandelt? Muss ich mir zu allem Uebel auch noch ins Gesicht luegen lassen, wenn ich die Dinge offen anspreche?
Die Antwort lautet: Nein! Nein und nochmals Nein! Man hat nicht erst dann das Recht, sich zu wehren, wenn man selbst unfehlbar ist. Es kann nicht schlimmer kommen als bisher.
Und ich moechte sie loswerden, diese masslose Wut. Und immer mehr spuere ich, dass dies nicht durch Runterschlucken geht.
Es gibt fuer mich nichts zu verlieren. Aber leider fuer jemand anderen, dem ich sehr wehtun muesste. Ich glaube, ich kann dies aber nicht laenger vermeiden, wenn ich wieder normal atmen will. Kafka hat mal gesagt, man kann nicht leben, ohne schuldig zu werden. Das ist bittere Wahrheit. Aber immerhin Wahrheit. Auf Wahrheit laesst sich aufbauen. Auf Luegen nicht.
Das ist das, was der Himalaya mir zu sagen hat. Es gibt im Hinduismus eine Goettin namens Kali oder auch Durga. Sie wird angebetet, obwohl sie auch die Goettin der Zerstoerung ist. Anscheinend ist man im Hinduismus der Meinung, das Zerstoerung etwas Goettliches ist. So wie die Trinitaet aus Brahma, Wishnu und Shiwa eine Trinitaeit aus Erschaffung, Erhaltung und Zerstoerung ist.
Zerstoerung ist in dem Moment nicht destruktiv, wo etwas zerstoert wird, das selbst zerstoererisch ist. Jede Konstruktivitaet muss auch in gewissen Masse destruktiv sein, damit etwas aufgebaut werden kann.
Hier in Vashisht gibt es sowohl viele alte als auch sehr junge Hippies. Und ein alter Hippiespruch lautet: Wir haben nichts zu verlieren ausser unseren Fesseln. Ja, das sagt mir der Himalaya. Und irgendwie geht's mir auch gleich schon besser.
Der Kampf mit der Technik
Wir versuchen schon seit einiger Zeit, einige Fotos zu mailen - aber irgendwie klappt es doch nicht. So verbring man doch mehr Zeit am PC als in den Bergen...
20.03.09
Jetzt hat es mich doch ein wenig erwischt, die Hoehenrkrankheit. Mir ist ein wenig flau und ich komme sehr schnell ausser Atem und mein Auge flattert staendig so wie die Gebetsfahnen hier. Trotzdem wollen wir uns heute ein Tuc-Tuc mieten.
Gestern sind wir ein wenig am Fluss laengsspaziert. Das Flussbett fuehrt noch kaum Wasser und in erster Linie besteht es daher aus Steinen und - Muell. Anscheinend schmeisst jeder seinen Muell in die Naehe des Flusses, anscheinend in der Hoffnung, dass das steigende Wasser ihn irgendwann schon wegtransportiert.
Auf dem Weg zum Fluss kamen wir auch an einem Slum vorbei. Huetten aus Holz oder einfach aus Platikplanen ueber Bambus, die bunt gewuerfelt aneinandergereit sind. Dazwischen Menschen, die herumwerkeln, Wasser schleppen oder Essen kochen. Und natuerlich Kinder, jede Menge. Bevor man sich jedoch von der obligatorischen Welle des Mitleids hinwegschwemmen laesst, sollte man sich die Zeit nehmen, die Gesichter zu beobachten. Soviel Muehe ich mir auch gebe; die Kinder sehen quietschvergnuegt aus. Ziemlich schmutzig, aber springlebendig und quietschvergnuegt.
Ich selbst habe einen Teil meiner fruehen Kindheit in einem sogenannten "Behelfsheim" bei meiner Oma verlebt. Das waren die Huetten, die man provisorisch fuer die Ostfluechtlinge gebaut hat. Kein Bad, kein Warmwasser, keine Heizung und kein eigenes Zimmer. Und fuer mich die gluecklichste Zeit meiner Kindheit.
Mein Opa hatte fuer mich eine Schaukel gebaut, eine Schaukel fuer mich allen. Und jede Menge Obst im Garten, den damals hat man Obst und Gemuese noch nicht gekauft sondern selbst angebaut. Baden fand ich sowieso nicht so toll. Das fiel mir hier komischerweise wieder ein, als ich im Tempel einen Vater sah, der seinen kleinen Sohn einseifte, der dabei herzergreifend schrie. Allein schlafen fand ich uebrigens - wie alle Kinder dieser Erde - auch nicht toll und so war es kein grosser Verlust, kein eigenes Zimmer zu haben.
Um keinen Irrtum aufkommen zu lassen: man muesste hier eine Menge fuer die Menschen in den Slums tun. Aber Badezimmer und Spielzeugberge sind dabei nicht unbedingt das Wichtigste.
Soviel zum Thema Armut.
21.03.09
Gestern sind wir mit dem Tuc-Tuc nach Manali gefahren. Manali hat eine grosse Strasse - the Mall - die fuer Autos gesperrt ist. Sehr angenehm also da in Indien kein Unterschied zwischen Fahrbahn und Gehstein gemacht wird und man somit normalerweise staendig zur Seite springen muss.
Obwohl ich eigentlich nicht unbedingt uebergewichtig bin, hatte ich das Gefuehl, dass das Tuc-Tuc mit uns beiden beim Berganfahren fast nach hinten ueberkippte. Aber irgendwie haben wir es dann doch geschafft, den Berg hinauf nach Vashisht zu kommen.
Hier neben den zierlichen Inderinnen fuehle ich mich enorm klobig und unsportlich. Waehrend ich den Berg hochaechse, huepft neben mir ein altes Muetterlein in Flip-Flops vorbei und lacht mich an. Nicht sehr aufbauend.
Ich spuere ueberhaupt hier in den Bergen die Grenzen meiner koerperlichen Belastbarkeit. Nicht das ich frueher sportlicher war - im Gegenteil, ich habe frueher Kette geraucht und mir Sport-ist-Mord auf die Fahnen geschrieben. Jetzt rauche ich schon seit fast 10 Jahren nicht mehr und jogge mindestens ein-bis zweimal die Woche. Trotzdem reicht das hier nicht. Ich wuerde so gerne weiter hoch in die Berge. Eigentlich kann es mir gar nicht hoch und einsam genug sein. Aber das kann ich mir abschminken. Es sei denn, ich beginne zuhause ein Sportprogramm. Immerhin habe ich mich ja schon zum Yoga angemeldet und hoffe, dass dies mit meinen Arbeitszeiten vereinbar ist.
Mache mir ueberhaupt viel Gedanken ueber so Einiges in Sachen Gesundheit in Ost und West. Bei uns in Deutschland ist es gang und gebe, dass alte Menschen irgendwann alle moeglichen Hilfsmittel erhalten, weil sie sich nicht mehr tief hinsetzen koennen. Erhoehte Clositze, Sessel mit Liftingsystem und hoehenverstellbare Betten. Hier sieht man auch die alleraeltesten Frauen bei der Gartenarbeit auf dem Boden. Nahezu auch alle anderen Taetigkeiten werden hockend verrichtet: Kochen, Waesche waschen, Spinnen und auch Tratschen.
Meine Oma habe ich Zeit meines Lebens nie knieend gesehen und auch bei meinen ganzen aelteren Klienten waere dies undenkbar. Ich hoere jetzt schon wieder meine kritische Nichte sagen: Du kannst nicht immer alles vergleichen!" Doch, kann ich!! Es gibt nichts Wichtigeres als Vergleiche, wenn man Ursachen erforschen will. Ich vermute, dass wir im Westen einfach ganz natuerliche Koerperhaltungen und Bewegungen straeflich vernachlassigen. Alte Menschen, die Yoga praktizieren, koennen durchaus mit den Asiaten mithalten.
Ehe ich es vergesse: Heute morgen gab es wieder grosses Staunen: ueber nacht hatte es geschneit und fast der ganze Himalya ist schneeweiss!
22.03.09
Heute haben wir das Dorf Naggat besucht und dort haben wir uns die "Roehricht Art-Gallerie" angesehen. Natuerlich auch wieder ganz oben auf einem Berg. Habe vorher nie etwas von einem Svetislaw Roehricht gehoert. Aber hat mich irgendwie an Walter Speer, den deutschen Maler auf Bali in den 50er Jahren erinnert. Irgendwie ist es erstaunlich - Auslaender koennen manchmal fuer andere Auslaender die Liebe zu einem bestimmten Land noch besser ausdruecken als die Einheimischen. Das Besondere an diesem Roehricht ist aber nicht nur die offensichtliche Liebe zu der indischen Himalayaregion, sondern sein grosses Interesse an uebergreifender Spiritualitaet.
Habe erst jetzt durch das Lesen meines Reisefuehrers von einer Gruppe des Hinduismus erfahren, die alle Religionen als gleichwertig erachtet und sich auf die Gemeinsamkeiten konzentriert.
Wieder in Vashisht angekommen, haben wir noch eingekauft. Schade, dass ich keine Videokamera habe, das von Gefuehlen ueberschaeumende Handeln war wirklich filmreif. Der Haendler ging natuerlich wie gewohnt mit dem Preis runter, aber auf jedes Unterbieten reagierte er mit herzzerreissender Mimik und Gestik. "You will nowhere find this cheaper than in my shop! If yes - I will pay you 5.000,00 $. I give you my card with telephone number - you can believe me". Nachdem der Kauf dann besiegelt war: "This day no buisiness for me - only lucky for you, you koll me!". Allerdings bestand beim Handeln absolute Ebenbuertigkeit, was Uebertreibungen angeht. Mein Freud erzaehlte von Kindern (welche?), die er versorgen muss und wegen denen er solche horrenden Ausgaben nicht machen koenne. Wie dem auch sei - am Ende waren offensichlich alle zufrieden.
In dem Zusammenhang muss ich sagen, dass es hier ein absolutes Einkaufparadies ist. Schade, dass es die Gewichtsbegrenzung beim Einchecken gibt......
... link (0 Kommentare) ... comment
Montag, 9. März 2009
Angekommen
lilith2, 18:35h
09.03.09
Gestern sind wir in Dharamsala angekommen. Wir hatten uns es leicht gemacht und ausnahmsweise die ersten 2 Naechte schon ab Hamburg gebucht. So wurden wir dann freudlich am Flughafen mit einem Minibus abgeholt.
Unser Guesthouse liegt so hoch, dass wir das letzte Stueck des Weges aussteigen und gehen mussten. Ein kleiner und steiler Felsweg fuehrte dann zu unserem Guesehouse, und von unserem Balkon koennen wir das ganze Tal ueberblicken.
Direkt vor unserem Haus stehen 2 grosse Stupas mit hinduistischen Gottheiten. Damit auch das Beduerfnis nach Kitsch erfuellt wird, blinkt innen eine Leuchtkette. Die wird aber abends ausgeschaltet und auch die Tuer wird geschlossen - auch Goetter muessen schlafen.

Zum Abendessen habe ich das erste Mal das Nationalgericht Daal gegessen. Ein Linsengericht und dazu gab es Currygemuese und Rettichscheiben. Als Dessert ein ebenfalls sehr leckeres Kokosnussmus.
Ich habe mich noch nicht an die Zeitumstellung gewoehnt und so bin ich dann auch nachts aufgewacht. Habe mich dann ein bisschen auf den Balkon gesetzt. Es war kalt und still und man konnte die Silhouette des Himalayas sehen. Es ist zu beeindruckend um es wirklich zu schildern. Mir fiel das alte Volkslied ein "Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt" (Ist das eigentlich von Eichendorf? Wenn ja, von Joseph oder vom Bruder?). Diese Strophe stimmt mit jedem Wort.
Habe ein bisschen Angst, dass wir jetzt im Dunkeln den Weg nicht mehr finden, denn es ist wirklich eine Kletterpartie und Felsen sehen nachts alle gleich aus...
Upper Dharamsala MCleod Ganj (HP)
-----------------------------------------
zweiter Tag 10.03.09
Wie ich befuerchtet hatte, haben wir uns gestern verlaufen. Aber in der frischen Bergluft war das nicht weiter schlimm, irgendwie sind wir dann doch nach Hause gelangt.
Als wir gestern sind wir im Tempel des Dalai Lamas ankamen, began gerade eine grosse Meditation zum Gedenken an die Vertreigung aus Tibet. Ich habe so etwas noch nie erlebt - die Meditationsgesaenge liessen foermlich die Luft vibrieren und zeitweilig verursachte dies fast schon Ohrenschmerzen.
Unter den Moenchen gibt es auch Kinder. Einige der Kinder - uebrigens immer nur Jungen - bleiben auch spaeter Moench. Aber viele sind nur eine Zeitlang Moench und leben danach wieder ganz weltlich. Tibetische Kinder während der Zeremonie unterscheiden sich in einem Punkt nicht allzu sehr von christlichen Kindern im Gottesdiest - sie flüstern und kichern viel lieber herum als andaechtig zu lauschen!

Als wir heute in MC Leod ankamen, versammelten sich gerade die Menschen zu einer Demo in Richtung Tempel. Wer wollte, konnte sich eine Kerze nehmen und dann setzte sich die Menschenmenge langsam in Bewegung. In viel zu engen Strassen, die noch nicht einmal gesperrt waren, quetschten wir uns dann durch das Zentrum.

Heute jaehrt sich der 50. Jahrestag der Vertreibung aus Tibets. An der Demo nahmen sowohl Moenche als auch Touristen, Inder und Tibeter und sehr junge als auch sehr alte Menschen teil. Die Tibeter fingen dann zu singen an - zuerst sehr leise und dann immer lauter. Im Tempel angekommen wurden dann ein paar Reden gehalten und eine Gedenkminute fuer die Menschen eingelegt, die fuer ihre Ueberzeugung ihr Leben lassen mussten. Am Schluss wurde dann gemeinsam ein Lied angestimmt. Ich weiss nicht, ob es sich um eine Art Nationalhymne oder um ein religioeses Lied handelte. Auf jeden Fall habe ich nur sehr selten Menschen so inbruenstig singen hoeren. Inbruenstig und doch nicht fanatisch, so wie ich es schon immer bei der Internationalen empfand, mit der ich mich nie anfreunden konnte.
Danach hat Mika noch einen alten Freund getroffen, den er schon 12 Jahre nicht mehr gesehen hat und der extra wegen der Veranstaltung hier ist. Tja, es gibt doch Menschen, die sich fuer andere interessieren....
Vorgestern Nacht, als ich in der Dunkelheit auf dem Balkon sass, kamen mir Zweifel, ob es wohl ein Widerspruch ist, im Lande Buddhas die ignatianischen Exerzitien zu praktizieren, was ich ja vorhabe. Aber eigentlich ist es klar, dass kein Widerspruch besteht. Es gibt mit Sicherheit nur eine Wahrheit. Aber diese Wahrheit offenbart sich in verschiedenen Bildern. Und hat verschiedene Propheten. Das, was hinter der Form steckt gilt es zu ergruenden.
dritter Tag, 11.03.09
Habe mich eben spontan zu einer Aryurvedamassage entschieden und das nicht bereut. Gehe jetzt wie auf Wolken.
vierter Tag, 12.03.09
Es ist doch ein bisschen anstrengend, jeden Tag den Berg hochzukraxeln und auf dem Weg denke ich oft, dass wir uns ein Guesthouse in der Naehe suchen sollten. Aber wenn ich dann oben bin, entschaedigt mich die majestaetische Aussicht fuer die Plackerei. Und ausserdem kann ich ja wieder eine Aryurvedamassage fuer die Fuesse machen lassen...
Gestern war ein Hindu-Feiertag: der Tag der Farben. Entsprechend waren einige Leute hier auch voellig mit Farbe eingespritzt. Uns hat man aber verschont.
Habe endlich herausgefunden, warum die Karte so wenig hilfreich ist: unser Guesthouse befindet sich gar nicht in MCLeod Ganj sondern in Bagshu. Mein schlechter Orientierungssinn ist schon eine Last. Aber jetzt kenne ich die wichtigsten Punkte und weiss zumindest wo die Tuk-Tuks abfahren und wo ich aussteigen muss.

Waehrend ich hier im Internetcafe sitze, laufen draussen tibetische Nonnen mit Kerzen vorbei und rezitieren heilige Texte. Und mein Kollege mailt mir aus Hamburg immer wieder Beitraege ueber Tibet, in denen ausgesagt wird, wie einseitig alle Berichte seien. Tibet waere frueher ein feudalistisches Land gewesen mit furchtbarer Armut und wenig Rechten fuer das Volk.
China ist immer noch ein feudalistisches Land - mit Parteibonzen als Feudalherren. Und manche Minenarbeiter arbeiten nackt (!!) weil sie nur ein paar Kleider haben und diese nicht beschaedigen wollen. Und die Gefaengnisse sind voll mit Menschen, die lediglich eine andere Meinung haben. In Tibet durfte man zumindest sagen, was man wollte. Und kein Lama hat je solche Reichtuemer gehabt wie die jetzigen chinesischen Neureichen.
In Tibet gab es Misstaende wie ueberall auf der Welt. Aber jedes Volk hat das Recht, seine Misstaende selbst zu aendern. Und jedes Volk hat das Recht auf seine Religion, man kann weder jemandem verordnen, an Mao zu glauben noch an Jesus noch an die Deutsche Bank.
13.03.09
Komme gerade von einer Tour mit unserem Vermieter zurueck. Wir haben den Dal-Lake angesehen, einen Shivatempel, das Dorf Naddi und das von der Schwester des Dalai Lama gegruendete Childrens Center.
Wir zoegern einen Ortswechsel immer mehr raus, weil unser jetziges Guesthouse so schoen ist. Vielleicht machen wir aber demnaechst fuer ein paar Tage eine Tour nach Manali.
Teilweise sieht die Landschaft hier genauso aus wie im Schwarzwald - Kiefern und Pinien. Von weitem sind auch die indischen Haeuser nicht so leicht von deutschen zu unterscheiden.
14.03.09
Heute mal einfach einen Abhaengtag eingelegt. Unsere Nachbarn sind heute weitergezogen. Es waren auch keine Italiener, wie ich vermutete, sondern Leute aus Estland.
Eine andere Nachbarin, eine Kanadierin hat gerade ein sogenanntes Retreat hinter sich. Sie hat 10 Tage abseits von hier schweigend und meditierend verbracht. Wenn ich richtig entsinne, nach der Vipassana-Methode. Ich mache ja auch meine Schweigewochenenden, aber immer zuhause und immer im christlichen Rahmen. Aber eigentlich sollte ich mir die Chance hier nicht entgehen lassen, allerdings waeren mir 10 Tage zu lang. Aber ein dreitaegiges Seminar waere vielleicht nicht schlecht.
Habe auch schon den Genuss einer indischen Kopfmassage kennengelernt. Haette allerdings vorher wissen muessen, dass jede Menge Oel auf den Kopf gegossen wird, dann haette ich mir das Haarewaschen sparen koennen. Es wurde auch nicht gerade zimperlich mit meinem Kopf umgegangen.
Unser Guesthouse-Manager Matthew arbeitet als Englischlehrer in der tibetischen Siedlung. Er spricht ausser seiner Muttersprache auch noch Deutsch, Franzoesisch und ein bisschen Hindi. Seine Mutter ist Englaenderin und der Vater Inder. Er meinte, dass die tibetischen Moenche und Nonnen die Flucht meist unbeschadet ueberstanden haben aber die juengeren Fluechtlinge teils sehr traumatisiert sind.
Zu der Familie unseres Guesthouses gehoert auch ein kleines zweieinhalbjaehriges Maedchen. Man kann die kleine mit einem geoelten Blitz vergleichen. Sie ist immer in Bewegung. Gestern ist sie in die hochheilige Stupa geklettert, hat sich die Gebetsglocke genommen und kraeftig gelaeutet. Da wurde mir klar, dass das Laeuten nicht immer etwas mit den Gebetszeiten zu tun hat.

Bei uns im Westen wird ja zunehmend bei lebhaften Kindern die Diagnose ADS (Aufmerksamkeits Defizit Syndrom) gestellt. Bei der Kleinen - Ansur ist ihr Name - waere dies bei uns vielleicht auch der Fall. Hier ist es ganz normal, dass ein Kind rumtobt und staendig in Bewegung ist. Allerdings ist es erstaunlicherweise auch normal, dass Kinder auch mal eine Weile still sitzen, wenn die Situation es erfordert, so wie beispielsweise bei einer laengeren Busfahrt. Und die beiden Soehne unseres Vermieters haben auch schon unser Gepaeck hochgetragen, obwohl sie erst 8 und 10 Jahre alt sind. Beide besuche eine angesehene Schule, sind also keine Kinderarbeiter. Trotzdem helfen sie manchmal ihrem Vater. Bei uns wuerde das wahrscheinlich den Kinderschutzbund auf den Plan holen.
Wie dem auch sei, die kleine Ansur hat es mir angetan. Sie sieht eher wie ein tibetisches Kind aus mit ihren hochroten Wangen und ihrem kraeftigen Koerperbau.
Eine Begebenheit bei einem unserer Spaziergaenge war sehr lustig; wir haben ein Kloster angesehen und kamen an einem alten tibetischen Paar in Begleitung eines jungen Moenchs vorbei. Der Moench sprach uns an und wollte wissen, woher wir kommen. Als ich als Heimatstadt Hamburg nannte, uebersetzte der Moench dem Tibeter dies, woraufhin der sehr begeistert reagierte und sagte, Hamburg sei die beste europaeische Stadt. Der alte Herr in seiner traditionellen Kleidung sah allerdings gar nicht so aus, als waere er schon viel gereist und als ich nachfragte, uebersetzte der Moench, dass Hamburg eine Partnerstadt sei und der Tibeter im Rahmen eines Ausstauschs Hamburg besucht haette. Als wir uns dann verabschiedeten, rief der alte Tibeter im Gehen nochmals laut und ausgedehnt" Tschuuuess". Da kann mal sehen, wie klein die Welt ist.
16.03.09
Habe gerade den Shiwa-Tempel in Bhagsu angesehen. Etwas kitschigeres kann man sich nicht vorstellen. Alles aus einer Art Pappmaschee (vielleicht in Trappiqualitaet) und in den grellsten Farben, die es gibt. Um in die oberen Stockwerke zu gelangen, muss man durch das aufgerissenes Maul eines Loewen steigen und der sich windende Gang wird immer flacher, so dass man sich schliesslich nur auf allen vieren fortbewegen kann.

Auf dem Weg sieht man dann furchterregende Monster in drohenden Gebaerden. Unweigerlich wird man eine eine Achterbahn erinnert. Einem Monster konnte man durch den aufgerissenen Mund gucken und dann sah man Shiva mit seiner Frau friedlich zusammen sitzten inmitten von Plastikblumen, Springbrunnen und aehnlichem.
Wieder in der ersten Etage angelangt sah ich dann das Schild "Four religions" ueber 4 Figuren. Es handelte sich offenbar um Moses, Brahma, Mohamed und dem gekreuzigten Jesus. Selbstverstaendlich auch alle in den kitschigsten Farben. Buddha war merkwuerdigerweise nicht dabei.
Morgen fahren wir weiter nach Manali. Da alles so billig ist, werden wir uns den Luxus eines Taxis leisten, damit wir aussteigen koennen, wann und wo wir wollen.
Habe in meinem Reisefuehrer (den fuer alle Deutschen obligatorischen orangefarbenen "Stefan Loose") bei der Beschreibung der Stupas einen Satz gelesen, der mir nicht aus dem Sinn geht. Ein Teil der Stupa symbolisiert die "Einheit von Kosmos und Existenz". Dies ist das, was ich beim Meditieren auch oftmals empfunden habe. Der unendliche und immer noch unerklaerliche Kosmos ist eins mit der menschlichen Existenz. Ich haette es nur nicht so ausdruecken koennen. Religon hat immer noch den Kosmos im Programm waehrend der Materialismus bei dem irdischen begrenzten Sein endet.
Ich kann hier von meinem Platz im Internetcafe durch die geoeffnete Balkontuer direkt auf das Himalayatal sehen und dort dreht ein Raubvogel (Bussard, Habicht?) seine Runden.
17.03.09
Habe noch gar nicht vom "Kistenmann" erzaehlt. In der engen Tempelroad mitten im Gewirr der Geschaefte stehe am Strassenrand eine Kiste, die ungefaehr die Masse von 2 mal 1 Meter hat. Die Kiste ist vorne zur Haelfte offen. In dieser offenen Seite sitzt ein alter Mann, die Beine nach unten baumelnd, und neben ihm quillt aus der anderen Haelfte undefinierbarer Kram wie Plastiktueten, Zotteldecken e.t.c. heraus. Der alte Herr sitzt stoisch ruhig und oft isst er Kleinigkeiten, die ihm von den Passanten gekauft werden. Ein anderer Tourist hat uns erzaehlt, dass der Mann schon seit 20 Jahren in seiner Muellkiste so dasitzt. Erinnert ein wenig an Diogenes in der Tonne, nur dass der Kistenmann anscheinend nicht philosophiert. Auf jeden Fall wirkt er nicht ungluecklich. Und das Versorgungssystem scheint auch ohne Sozialarbeiter zu klappen.
Gestern sind wir in Dharamsala angekommen. Wir hatten uns es leicht gemacht und ausnahmsweise die ersten 2 Naechte schon ab Hamburg gebucht. So wurden wir dann freudlich am Flughafen mit einem Minibus abgeholt.
Unser Guesthouse liegt so hoch, dass wir das letzte Stueck des Weges aussteigen und gehen mussten. Ein kleiner und steiler Felsweg fuehrte dann zu unserem Guesehouse, und von unserem Balkon koennen wir das ganze Tal ueberblicken.
Direkt vor unserem Haus stehen 2 grosse Stupas mit hinduistischen Gottheiten. Damit auch das Beduerfnis nach Kitsch erfuellt wird, blinkt innen eine Leuchtkette. Die wird aber abends ausgeschaltet und auch die Tuer wird geschlossen - auch Goetter muessen schlafen.

Zum Abendessen habe ich das erste Mal das Nationalgericht Daal gegessen. Ein Linsengericht und dazu gab es Currygemuese und Rettichscheiben. Als Dessert ein ebenfalls sehr leckeres Kokosnussmus.
Ich habe mich noch nicht an die Zeitumstellung gewoehnt und so bin ich dann auch nachts aufgewacht. Habe mich dann ein bisschen auf den Balkon gesetzt. Es war kalt und still und man konnte die Silhouette des Himalayas sehen. Es ist zu beeindruckend um es wirklich zu schildern. Mir fiel das alte Volkslied ein "Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt" (Ist das eigentlich von Eichendorf? Wenn ja, von Joseph oder vom Bruder?). Diese Strophe stimmt mit jedem Wort.
Habe ein bisschen Angst, dass wir jetzt im Dunkeln den Weg nicht mehr finden, denn es ist wirklich eine Kletterpartie und Felsen sehen nachts alle gleich aus...
Upper Dharamsala MCleod Ganj (HP)
-----------------------------------------
zweiter Tag 10.03.09
Wie ich befuerchtet hatte, haben wir uns gestern verlaufen. Aber in der frischen Bergluft war das nicht weiter schlimm, irgendwie sind wir dann doch nach Hause gelangt.
Als wir gestern sind wir im Tempel des Dalai Lamas ankamen, began gerade eine grosse Meditation zum Gedenken an die Vertreigung aus Tibet. Ich habe so etwas noch nie erlebt - die Meditationsgesaenge liessen foermlich die Luft vibrieren und zeitweilig verursachte dies fast schon Ohrenschmerzen.
Unter den Moenchen gibt es auch Kinder. Einige der Kinder - uebrigens immer nur Jungen - bleiben auch spaeter Moench. Aber viele sind nur eine Zeitlang Moench und leben danach wieder ganz weltlich. Tibetische Kinder während der Zeremonie unterscheiden sich in einem Punkt nicht allzu sehr von christlichen Kindern im Gottesdiest - sie flüstern und kichern viel lieber herum als andaechtig zu lauschen!

Als wir heute in MC Leod ankamen, versammelten sich gerade die Menschen zu einer Demo in Richtung Tempel. Wer wollte, konnte sich eine Kerze nehmen und dann setzte sich die Menschenmenge langsam in Bewegung. In viel zu engen Strassen, die noch nicht einmal gesperrt waren, quetschten wir uns dann durch das Zentrum.

Heute jaehrt sich der 50. Jahrestag der Vertreibung aus Tibets. An der Demo nahmen sowohl Moenche als auch Touristen, Inder und Tibeter und sehr junge als auch sehr alte Menschen teil. Die Tibeter fingen dann zu singen an - zuerst sehr leise und dann immer lauter. Im Tempel angekommen wurden dann ein paar Reden gehalten und eine Gedenkminute fuer die Menschen eingelegt, die fuer ihre Ueberzeugung ihr Leben lassen mussten. Am Schluss wurde dann gemeinsam ein Lied angestimmt. Ich weiss nicht, ob es sich um eine Art Nationalhymne oder um ein religioeses Lied handelte. Auf jeden Fall habe ich nur sehr selten Menschen so inbruenstig singen hoeren. Inbruenstig und doch nicht fanatisch, so wie ich es schon immer bei der Internationalen empfand, mit der ich mich nie anfreunden konnte.
Danach hat Mika noch einen alten Freund getroffen, den er schon 12 Jahre nicht mehr gesehen hat und der extra wegen der Veranstaltung hier ist. Tja, es gibt doch Menschen, die sich fuer andere interessieren....
Vorgestern Nacht, als ich in der Dunkelheit auf dem Balkon sass, kamen mir Zweifel, ob es wohl ein Widerspruch ist, im Lande Buddhas die ignatianischen Exerzitien zu praktizieren, was ich ja vorhabe. Aber eigentlich ist es klar, dass kein Widerspruch besteht. Es gibt mit Sicherheit nur eine Wahrheit. Aber diese Wahrheit offenbart sich in verschiedenen Bildern. Und hat verschiedene Propheten. Das, was hinter der Form steckt gilt es zu ergruenden.
dritter Tag, 11.03.09
Habe mich eben spontan zu einer Aryurvedamassage entschieden und das nicht bereut. Gehe jetzt wie auf Wolken.
vierter Tag, 12.03.09
Es ist doch ein bisschen anstrengend, jeden Tag den Berg hochzukraxeln und auf dem Weg denke ich oft, dass wir uns ein Guesthouse in der Naehe suchen sollten. Aber wenn ich dann oben bin, entschaedigt mich die majestaetische Aussicht fuer die Plackerei. Und ausserdem kann ich ja wieder eine Aryurvedamassage fuer die Fuesse machen lassen...
Gestern war ein Hindu-Feiertag: der Tag der Farben. Entsprechend waren einige Leute hier auch voellig mit Farbe eingespritzt. Uns hat man aber verschont.
Habe endlich herausgefunden, warum die Karte so wenig hilfreich ist: unser Guesthouse befindet sich gar nicht in MCLeod Ganj sondern in Bagshu. Mein schlechter Orientierungssinn ist schon eine Last. Aber jetzt kenne ich die wichtigsten Punkte und weiss zumindest wo die Tuk-Tuks abfahren und wo ich aussteigen muss.

Waehrend ich hier im Internetcafe sitze, laufen draussen tibetische Nonnen mit Kerzen vorbei und rezitieren heilige Texte. Und mein Kollege mailt mir aus Hamburg immer wieder Beitraege ueber Tibet, in denen ausgesagt wird, wie einseitig alle Berichte seien. Tibet waere frueher ein feudalistisches Land gewesen mit furchtbarer Armut und wenig Rechten fuer das Volk.
China ist immer noch ein feudalistisches Land - mit Parteibonzen als Feudalherren. Und manche Minenarbeiter arbeiten nackt (!!) weil sie nur ein paar Kleider haben und diese nicht beschaedigen wollen. Und die Gefaengnisse sind voll mit Menschen, die lediglich eine andere Meinung haben. In Tibet durfte man zumindest sagen, was man wollte. Und kein Lama hat je solche Reichtuemer gehabt wie die jetzigen chinesischen Neureichen.
In Tibet gab es Misstaende wie ueberall auf der Welt. Aber jedes Volk hat das Recht, seine Misstaende selbst zu aendern. Und jedes Volk hat das Recht auf seine Religion, man kann weder jemandem verordnen, an Mao zu glauben noch an Jesus noch an die Deutsche Bank.
13.03.09
Komme gerade von einer Tour mit unserem Vermieter zurueck. Wir haben den Dal-Lake angesehen, einen Shivatempel, das Dorf Naddi und das von der Schwester des Dalai Lama gegruendete Childrens Center.
Wir zoegern einen Ortswechsel immer mehr raus, weil unser jetziges Guesthouse so schoen ist. Vielleicht machen wir aber demnaechst fuer ein paar Tage eine Tour nach Manali.
Teilweise sieht die Landschaft hier genauso aus wie im Schwarzwald - Kiefern und Pinien. Von weitem sind auch die indischen Haeuser nicht so leicht von deutschen zu unterscheiden.
14.03.09
Heute mal einfach einen Abhaengtag eingelegt. Unsere Nachbarn sind heute weitergezogen. Es waren auch keine Italiener, wie ich vermutete, sondern Leute aus Estland.
Eine andere Nachbarin, eine Kanadierin hat gerade ein sogenanntes Retreat hinter sich. Sie hat 10 Tage abseits von hier schweigend und meditierend verbracht. Wenn ich richtig entsinne, nach der Vipassana-Methode. Ich mache ja auch meine Schweigewochenenden, aber immer zuhause und immer im christlichen Rahmen. Aber eigentlich sollte ich mir die Chance hier nicht entgehen lassen, allerdings waeren mir 10 Tage zu lang. Aber ein dreitaegiges Seminar waere vielleicht nicht schlecht.
Habe auch schon den Genuss einer indischen Kopfmassage kennengelernt. Haette allerdings vorher wissen muessen, dass jede Menge Oel auf den Kopf gegossen wird, dann haette ich mir das Haarewaschen sparen koennen. Es wurde auch nicht gerade zimperlich mit meinem Kopf umgegangen.
Unser Guesthouse-Manager Matthew arbeitet als Englischlehrer in der tibetischen Siedlung. Er spricht ausser seiner Muttersprache auch noch Deutsch, Franzoesisch und ein bisschen Hindi. Seine Mutter ist Englaenderin und der Vater Inder. Er meinte, dass die tibetischen Moenche und Nonnen die Flucht meist unbeschadet ueberstanden haben aber die juengeren Fluechtlinge teils sehr traumatisiert sind.
Zu der Familie unseres Guesthouses gehoert auch ein kleines zweieinhalbjaehriges Maedchen. Man kann die kleine mit einem geoelten Blitz vergleichen. Sie ist immer in Bewegung. Gestern ist sie in die hochheilige Stupa geklettert, hat sich die Gebetsglocke genommen und kraeftig gelaeutet. Da wurde mir klar, dass das Laeuten nicht immer etwas mit den Gebetszeiten zu tun hat.

Bei uns im Westen wird ja zunehmend bei lebhaften Kindern die Diagnose ADS (Aufmerksamkeits Defizit Syndrom) gestellt. Bei der Kleinen - Ansur ist ihr Name - waere dies bei uns vielleicht auch der Fall. Hier ist es ganz normal, dass ein Kind rumtobt und staendig in Bewegung ist. Allerdings ist es erstaunlicherweise auch normal, dass Kinder auch mal eine Weile still sitzen, wenn die Situation es erfordert, so wie beispielsweise bei einer laengeren Busfahrt. Und die beiden Soehne unseres Vermieters haben auch schon unser Gepaeck hochgetragen, obwohl sie erst 8 und 10 Jahre alt sind. Beide besuche eine angesehene Schule, sind also keine Kinderarbeiter. Trotzdem helfen sie manchmal ihrem Vater. Bei uns wuerde das wahrscheinlich den Kinderschutzbund auf den Plan holen.
Wie dem auch sei, die kleine Ansur hat es mir angetan. Sie sieht eher wie ein tibetisches Kind aus mit ihren hochroten Wangen und ihrem kraeftigen Koerperbau.
Eine Begebenheit bei einem unserer Spaziergaenge war sehr lustig; wir haben ein Kloster angesehen und kamen an einem alten tibetischen Paar in Begleitung eines jungen Moenchs vorbei. Der Moench sprach uns an und wollte wissen, woher wir kommen. Als ich als Heimatstadt Hamburg nannte, uebersetzte der Moench dem Tibeter dies, woraufhin der sehr begeistert reagierte und sagte, Hamburg sei die beste europaeische Stadt. Der alte Herr in seiner traditionellen Kleidung sah allerdings gar nicht so aus, als waere er schon viel gereist und als ich nachfragte, uebersetzte der Moench, dass Hamburg eine Partnerstadt sei und der Tibeter im Rahmen eines Ausstauschs Hamburg besucht haette. Als wir uns dann verabschiedeten, rief der alte Tibeter im Gehen nochmals laut und ausgedehnt" Tschuuuess". Da kann mal sehen, wie klein die Welt ist.
16.03.09
Habe gerade den Shiwa-Tempel in Bhagsu angesehen. Etwas kitschigeres kann man sich nicht vorstellen. Alles aus einer Art Pappmaschee (vielleicht in Trappiqualitaet) und in den grellsten Farben, die es gibt. Um in die oberen Stockwerke zu gelangen, muss man durch das aufgerissenes Maul eines Loewen steigen und der sich windende Gang wird immer flacher, so dass man sich schliesslich nur auf allen vieren fortbewegen kann.

Auf dem Weg sieht man dann furchterregende Monster in drohenden Gebaerden. Unweigerlich wird man eine eine Achterbahn erinnert. Einem Monster konnte man durch den aufgerissenen Mund gucken und dann sah man Shiva mit seiner Frau friedlich zusammen sitzten inmitten von Plastikblumen, Springbrunnen und aehnlichem.

Wieder in der ersten Etage angelangt sah ich dann das Schild "Four religions" ueber 4 Figuren. Es handelte sich offenbar um Moses, Brahma, Mohamed und dem gekreuzigten Jesus. Selbstverstaendlich auch alle in den kitschigsten Farben. Buddha war merkwuerdigerweise nicht dabei.
Morgen fahren wir weiter nach Manali. Da alles so billig ist, werden wir uns den Luxus eines Taxis leisten, damit wir aussteigen koennen, wann und wo wir wollen.
Habe in meinem Reisefuehrer (den fuer alle Deutschen obligatorischen orangefarbenen "Stefan Loose") bei der Beschreibung der Stupas einen Satz gelesen, der mir nicht aus dem Sinn geht. Ein Teil der Stupa symbolisiert die "Einheit von Kosmos und Existenz". Dies ist das, was ich beim Meditieren auch oftmals empfunden habe. Der unendliche und immer noch unerklaerliche Kosmos ist eins mit der menschlichen Existenz. Ich haette es nur nicht so ausdruecken koennen. Religon hat immer noch den Kosmos im Programm waehrend der Materialismus bei dem irdischen begrenzten Sein endet.
Ich kann hier von meinem Platz im Internetcafe durch die geoeffnete Balkontuer direkt auf das Himalayatal sehen und dort dreht ein Raubvogel (Bussard, Habicht?) seine Runden.
17.03.09
Habe noch gar nicht vom "Kistenmann" erzaehlt. In der engen Tempelroad mitten im Gewirr der Geschaefte stehe am Strassenrand eine Kiste, die ungefaehr die Masse von 2 mal 1 Meter hat. Die Kiste ist vorne zur Haelfte offen. In dieser offenen Seite sitzt ein alter Mann, die Beine nach unten baumelnd, und neben ihm quillt aus der anderen Haelfte undefinierbarer Kram wie Plastiktueten, Zotteldecken e.t.c. heraus. Der alte Herr sitzt stoisch ruhig und oft isst er Kleinigkeiten, die ihm von den Passanten gekauft werden. Ein anderer Tourist hat uns erzaehlt, dass der Mann schon seit 20 Jahren in seiner Muellkiste so dasitzt. Erinnert ein wenig an Diogenes in der Tonne, nur dass der Kistenmann anscheinend nicht philosophiert. Auf jeden Fall wirkt er nicht ungluecklich. Und das Versorgungssystem scheint auch ohne Sozialarbeiter zu klappen.
... link (0 Kommentare) ... comment
Samstag, 21. Februar 2009
Dharamsala
lilith2, 01:48h
In vier Tagen geht es los. Obwohl ich bis zum umfallen arbeite, macht es mir nichts aus - die Vorfreude läßt der Müdigkeit keinen Platz mehr.
Das Merkwürdige an meinen Reisen nach Asien ist, daß ich gar nicht das Gefühl habe, weit weg zu fahren. Seltsamerweise fühle ich mich mich hier viel weiter weg.
Vielleicht gibt es Dinge, die nicht meinen Wünschen entsprechen. Dharamsala soll voll von verklärten bekifften Hippies sein. Aber das fällt nicht ins Gewicht. Ein Guesthouse direkt am Fuß des Himalayas kann so leicht nicht seines Zaubers beraubt werden.
Reisen, Reisen, Reisen.......Für mich ist Fernweh Heimweh.
Panoramic picture in Dharamsala
A morning in Dharamsala
Übermorgen zum Impfen (das erste Mal Choleraimpfung), Visa ist auch schon da. Jetzt muß nur noch enorm vorgearbeitet werden und dann geht's los ab Hamburg (welch Luxus). Endlich weg, ganz weit weg - es kann gar nicht weit genug sein. Ich fiebere darauf, der jetzigen Umgebung zu entfliehen und endlich an einen Ort zu kommen, wo ich nicht mehr damit konfrontiert werde, wie Leute mit sehr viel Geld den Hals nicht voll bekommen und Leute mit sehr wenig Geld wie Leibeigene behandeln und als Einkommensquelle nutzen.
Ich will zurück zur Normalität und weg von Menschen mit krankhaftem Verarmungswahn, die über Leichen gehen. Hin zu Menschen, die neugierig sind auf die Lebensart anderer. Die sehen möchten, ob der eigene Weg wirklich der einzige ist oder vielleicht nur einer von vielen.
Neugierig sein auf fremde Gerüche, auf fremde Gesänge, auf ein Leben, in dem Materialismus nicht die einzige Antwort ist.
Im Urlaub fühle ich mich immer wie ein Schwamm. Ich sauge alles auf, was um mich herum ist. Ich kann stundenlang im Café sitzen und mir die Menschen angucken. Das Andere erfahren. Vom Anderen lernen. Leben kann enorm spannend sein. Die Augen aufmachen - ganz weit .... und sehen, was es außer dem schon Bekannten gibt.
Ja ich weiß - man kann sich selbst nicht entfliehen. Aber man sich selbst an Orte bringen, an denen das eigene Selbst besser und freier atmen kann. Frei von Menschen, die anderen nicht guttun.
Das Merkwürdige an meinen Reisen nach Asien ist, daß ich gar nicht das Gefühl habe, weit weg zu fahren. Seltsamerweise fühle ich mich mich hier viel weiter weg.
Vielleicht gibt es Dinge, die nicht meinen Wünschen entsprechen. Dharamsala soll voll von verklärten bekifften Hippies sein. Aber das fällt nicht ins Gewicht. Ein Guesthouse direkt am Fuß des Himalayas kann so leicht nicht seines Zaubers beraubt werden.
Reisen, Reisen, Reisen.......Für mich ist Fernweh Heimweh.
Panoramic picture in Dharamsala
A morning in Dharamsala
Übermorgen zum Impfen (das erste Mal Choleraimpfung), Visa ist auch schon da. Jetzt muß nur noch enorm vorgearbeitet werden und dann geht's los ab Hamburg (welch Luxus). Endlich weg, ganz weit weg - es kann gar nicht weit genug sein. Ich fiebere darauf, der jetzigen Umgebung zu entfliehen und endlich an einen Ort zu kommen, wo ich nicht mehr damit konfrontiert werde, wie Leute mit sehr viel Geld den Hals nicht voll bekommen und Leute mit sehr wenig Geld wie Leibeigene behandeln und als Einkommensquelle nutzen.
Ich will zurück zur Normalität und weg von Menschen mit krankhaftem Verarmungswahn, die über Leichen gehen. Hin zu Menschen, die neugierig sind auf die Lebensart anderer. Die sehen möchten, ob der eigene Weg wirklich der einzige ist oder vielleicht nur einer von vielen.
Neugierig sein auf fremde Gerüche, auf fremde Gesänge, auf ein Leben, in dem Materialismus nicht die einzige Antwort ist.
Im Urlaub fühle ich mich immer wie ein Schwamm. Ich sauge alles auf, was um mich herum ist. Ich kann stundenlang im Café sitzen und mir die Menschen angucken. Das Andere erfahren. Vom Anderen lernen. Leben kann enorm spannend sein. Die Augen aufmachen - ganz weit .... und sehen, was es außer dem schon Bekannten gibt.
Ja ich weiß - man kann sich selbst nicht entfliehen. Aber man sich selbst an Orte bringen, an denen das eigene Selbst besser und freier atmen kann. Frei von Menschen, die anderen nicht guttun.
... link (0 Kommentare) ... comment